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Wie sind energetische Gebäudesanierungen besser zu fördern? Kann es eine Steuererleichterung für klimafreundliche vegane Produkte geben? Wann kommt endlich ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Bei der Kickoff-Veranstaltung zur neuen Kampagne Zusammen ist es Klimaschutz des Bundesumweltministeriums stellte sich Ministerin Barbara Hendricks den Fragen der einbezogenen Blogger_innen. In den wunderbaren Räumen der Berliner Hörsaalruine kamen engagierte Netzjournalist_innen aus verschiedensten nachhaltigkeitsbezogenen Themenbereichen zusammen. Unter anderem Florian Semle für Utopia, Christoph Harrach von Karma Konsum, Christoph Schott von Avaaz, Martin Randelhoff von Zukunft Mobilität und Marco Eisenack für Klimaretter. Hendricks bewies viel ökologischen Sachverstand in den unterschiedlichsten Feldern. Sie ist eine sehr offene und im positivsten Sinne bodenständige Politikerin. Das ist ja nun nicht unbedingt der Regelfall und hat mir sehr imponiert.

Klimapolitisch liegen Frau Hendricks und ich dagegen so gar nicht auf einer Wellenlänge. Zunächst einmal hält Frau Hendricks das 2-Grad-Ziel für wissenschaftlich unumstritten, von ein paar Einzelpositionen abgesehen. Damit meinte sie wohl einzelne Klimaskeptiker, die generell gegen jede Klimaschutzmaßnahme argumentieren. Richtig ist jedoch, dass es in der Wissenschaft auch renomierte Forscher_innen gibt, die das 2-Grad-Ziel für zu schwach halten, da die Folgen einer entsprechenden Erwärmung insbesondere im globalen Süden existenzbedrohende Auswirkungen haben können. Entsprechend votieren 44 in der Alianz der kleinen Inselstaaten zusammengeschlossene Länder für eine Verschärfung des Ziels auf 1,5 Grad.

Wie angekündigt habe ich nach der Vereinbarkeit von wachstumsorientierter Wirtschaftspolitik und zielführendem Klimaschutz gefragt. Da sieht Frau Hendricks überhaupt kein Problem. Sie glaubt an grünes Wachstum und hält die Wirtschaftspolitik ihres Parteikollegen Gabriel – zumindest öffentlich – nicht für wachstumsorientiert. In Zeiten, in denen es ökologische Wachstums- und Kapitalismuskritik vielfach in die Feuiltons der großen Printmedien geschafft hat, war ich von so viel grüner Wachstumsüberzeugung doch etwas enttäuscht. Wie gut die Politik des Wirtschaftsminiteriums zum Klimaschutz passt, beweist Herr Gabriel uns ja nun gerade eindrucksvoll beim Thema Kohlekraftwerke.

Ganz anders die versammelten Netzjournalist_innen. Gleich mehrere Kolleg_innen stiegen auf die Thematik ein und unterstrichen eine wachstumskritische Haltung und die Forderung nach weitergehenden Klimaschutzmaßnahmen, die – wo notwendig – auch zu Lasten unseres materiellen Wohlstands gehen dürften.

Barabara Hendricks verwehrte sich strickt gegen eine Politik, die in die Lebensweisen der Menschen hineinregiert. Zwar lebe sie selber in vielen Bereichen materiell eher bescheiden, aber wolle niemanden vorschreiben es ihr gleich zu tun. Vielleicht auch als Lehre aus dem Veggieday-Trauma der Grünen spielte Hendricks mehrfach die Freiheit des Einzelnen gegen ambitioniertere Klimaziele aus.

Wer sämtliche Einschränkungen hierzulande für unzumutbare Eingriffe in die Handlungsfreiheiten hält, wird auch das 2-Grad-Ziel nicht erreichen oder muss die Einschränkungen anderen Gesellschaften aufbürden.
Bei der Podiumsdiskussion im Anschluss an die Bloggerfragerunde wurde das Thema erneut aufgegriffen. Gefragt, ob nicht unsere Konsumfreiheiten wiederum in die Entwicklungsfreiheiten von Menschen in anderen Teilen der Welt eingreifen würden, bejahte die Ministerin zumindest diesen Zusammenhang. Eine Vertiefung der Problematik war leider aus zeitlich gründen nicht mehr möglich.

Progressivere Vorstöße für Klima- und Ressourcengerechtigkeit im Sinne von Kontraktion und Konvergenz oder dem persönlichen CO²-Budget sind also von Barbara Hendricks wohl erstmal nicht zu erwarten. Für Aufklärung und Unterstützung beim nachhaltigeren Konsum ist sie hingegen auf jeden Fall zu haben. Auch das Thema Textilsiegel interessiert sie sehr und eine Regelung für die Werbung mit Begriffen wie “klimafreundlich”, “klimaneutral” und Ähnlichem wurde andiskutiert.

Versprochen hat Frau Hendricks zudem eine Anfrage beim Finanzminister zur Besteuerung von Pflanzenmilch (Soja- Hafer-, Mandelmich und Co), die bisher mit 19 % Mehrwertsteuer gegenüber Kuhmilch “diskriminiert” wird. Eingebracht hatte dies Julia Koch vom schicken jungen Veganblog Times They Changing. Ich bin gespannt, was der Herr Schäuble dazu sagt.

Zusammen ist es Klimaschutz. Mit der Kampagne will das Umweltministerium zu nachhaltigem Verhalten im Alltag anregen. Die Kampagne wird vorrangig über soziale Medien verbreitet und entsprechend richtet sie sich an ein eher jüngeres, internetaffines Prublikum. Von allen eingeladenen Blogger_innen wurden kurze Clips gedreht, in denen sie ihr Blog und ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorstellen. Schaut euch die Videos mal an und vor allem auch die dazugehörigen Blogs. Neben Times They Changing ist mit Pink & Green noch ein schönes veganes Ökomodeblog dabei. Zumindest die Blogger_innen schienen mir durchweg an ambitioniertem Klimaschutz interessiert. Beibt die Frage, ob das auch zusammen mit dieser Regierung möglich ist.

Natürlich will ich euch mein Video nicht vorenthalten. Von mir unbeeinflusst beginnt das passender Weise gleich mit einer Verzichtspredigt…

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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„Lima, Paris – im Jahr 2015 wird der Klimaschutz wieder in die Schlagzeilen kommen, denn wichtige Konferenzen und wegweisende Entscheidungen stehen an!

Grund genug für das Bundesumweltministerium, eine Kampagne zu starten. Dabei sollen ganz praxisnah und unterhaltsam Möglichkeiten vorgestellt werden, wie sich umweltverträgliches Verhalten stressfrei und zeitgemäß in den Alltag integrieren lässt.

Beim Auftaktevent mit Ministerin Barbara Hendricks und mehreren Nachhaltigkeits-Blogger_innen am 11. November wird Lars für Grüne Mode vor Ort sein und die Möglichkeit haben, ihr direkt Fragen zu stellen.

Was würdet ihr die Ministerin gerne mal Fragen? Die Fragen müssen in diesem Fall nicht unbedingt etwas mit Textilproduktion zu tun haben. Schreibt eure Anliegen einfach unter diesen Artikel als Kommentar. Ich werde 2 oder 3 Fragen stellen können und berichte auch im Anschluss von dem Event.

In den ersten Jahren und mehr noch vor meiner Tätigkeit in der grünen Modebranche habe ich viel klimapolitische Arbeit gemacht. Sowohl mit lokalen Gruppen zu Solidarischer Ökonomie und Transition Towns als auch bei den internationalen Klimaaktionscamps von Hamburg und Kopenhagen. Aus dieser Perspektive einer Klimagerechtigkeit heraus interessiert mich selbst ganz besonders, ob die Ministerin an eine Vereinbarkeit des von ihrer Partei mitgetragenen Wachstumskurses und einem wirksamem Klimaschutz glaubt. Und wenn ja, woher sie diesen Glauben nimmt.

Allen, die beim Thema Klima- und Ressourcengerechtigkeit ebenfalls eher auf eine Postwachstums-Ökonomie setzen, empfehle ich noch die Dokumentation “Wachstum, was nun?“, die ihr derzeit noch in der arte-Mediathek sehen könnt.

Ich bin gespannt auf eure Fragen!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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von Links nach Rechts: 1. TWOTHIRDS (Barcelona), 2. Nukuhiva (Amsterdam), 3. Bottega Ethica (Friburg, Schweiz), 4. Naiwa (Toulouse)

Immer mehr Läden mit einem auf ökologische und faire Mode fokussierten Konzept machen grüne Mode in den Städten sichtbar. Deutschland ist da eindeutig Vorreiter, aber auch bei unseren europäischen Nachbarn tut sich was.

Die letzte Grüne Liste zu Green Fashion Stores in Europa entstand 2009 und hatte 44 Adressen aus 9 Ländern zu bieten. Nun sind wir bereits bei über 100 Läden in 11 Ländern. Gleich mit 34 Läden ist die französische Franchise-Kette Ekyog vertreten. Sie stellt damit den Löwenanteil der Neuzugänge. Aber auch sonst sind viele Adressen neu und nicht wenige aus der alten Liste nicht mehr existent. Wie auch hierzulande bleibt trotz der Geschäftsaufgaben die Gesamtbilanz aber deutlich positiv.

Während wir uns hierzulande sicher sind zumindest die allermeisten Neueröffnungen mit zu bekommen und damit eine relative Vollständigkeit gewährleisten zu können, ist das im europäischen Ausland sehr viel schwieriger. Die Recherche für die Europäische Liste hat Jonas Dederichs-Eckertz übernommen und das war ein echtes Mammutprojekt. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Jonas für seinen Einsatz, der uns einen Überblick über die europäische Ladenszene verschafft, den wir sonst wohl so nie bekommen hätten. Dabei war es für ihn oft aus der Ferne gar nicht so leicht zu beurteilen, ob ein Laden noch besteht oder nicht und die Sprachbarrieren machten die Überprüfung der angebotenen lokalen und weniger bekannten Labels zu einer linguistischen Herausforderung.

Jonas ist eigentlich Wirtschaftswissenschaftler und macht gerade seinen Master in Köln. Den Bachelor hat er in Münster absolviert, wo er über einen Freund sowohl im dort von mir mitbetriebenen Concept Store landete als auch in der Studierendeninitiative Wirtschaft & Umwelt, deren Gast ich zwei Mal sein durfte. Das Thema grüne Mode hat ihn dann richtig gepackt und er hat inzwischen auch schon ein Praktikum bei einer NGO zu diesem Thema absolviert. Genau solche Wirtschaftswissenschaftler brauchen wir ganz dringend mehr!

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von Links nach Rechts: 1. Adisgladis (Stockholm), 2. Uniforms for the Dedicated (Stockholm), 3. Nudge (Helsinki), 4. L’herbe Rouge (Paris)

Anders als bei den anderen Grünen Listen haben wir bei dieser Liste nicht konsequent das Öko+Fair-Prinzip anwenden können, denn sonst wäre sie sehr sehr kurz geraten. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes hat sich die Zusammengehörigkeit von ökologischer und fairer Produktion bisher nicht wirklich durchgesetzt. In den meisten Läden gibt es daher auch Marken und Produkte zu kaufen, die nur eines der beiden Kriterien erfüllen. Und es werden auch immer wieder Sachen angeboten, die sich überhaupt nicht durch eine ethische, nachhaltigere Produktion, sondern nur durch Charity von konventioneller Ware unterscheiden. Das gilt insbesondere für Tom’s Shoes. Einen guten, kritischen Artikel zu deren Buy-one-Give-one-Konzept findet ihr hier.

Die Läden der neue Liste verdienen trotzdem einen Besuch und begeistern oftmals auch durch sehr schöne und kreative Einrichtungskonzepte. Ihr solltet nur ein bisschen genauer hingucken, wenn es um euch nicht bekannte Marken geht. In Österreich und der Schweiz verfolgen die Läden das Öko+Fair-Prinzip genauso konsequent wie die Läden auf der Liste für Deutschland.

Die Grüne Liste “Green Fashion Stores in Europa” und alle weiteren Listen findet ihr wie immer hier.

Wenn ihr weitere Green Fashion Stores im europäischen oder sogar außereuropäischen Ausland kennt, bitte gerne mit Link als Kommentar unter diesen Post!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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PYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODEPYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODE

Vor jeder neuen Saison stellen sich Boarder und Skifahrer die selben Fragen: Ist mein Board noch intakt? Brauche ich eine neue Bindung? Hält der Anzug aus den letzten Jahren noch einen Winter durch? Wer bisher noch nicht nach einer wirklich grünen Alternative gesucht hat, wird heute fündig. Vorhang auf für Pyua – Ecorrect Outerwear.

Dem Label von Timo Perschke gelingt es, Funktionalität in der Bekleidung mit dem Spaß am Sport und dem auch auf der Piste wichtigen Style zu verbinden. Als erste Funktionsbekleidungsmarke weltweit fertigt Pyua seine Kleidung aus bereits recycelten oder recycelfähigen Polyester-Materialien und kann diese durch das Closed-Loop-Recycling wieder vollständig verwerten – ohne neue Strukturen für die Rücknahme von Kleidung. Wie das geht? Ganz einfach: Es wird schlicht die bestehende Struktur der bekannten Altkleidercontainer und Recycling-Partner genutzt.

PYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODEPYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODE

Das ausgezeichnete und mit Preisen bedachte Label hat für diesen Winter insgesamt drei Kollektionen aufgelegt. Neben der Crosstown Linie für funktionale Styles neben der Piste gibt es die Paramount Linie für die Herren und die Core Linie für die Damen. Diese umfasst unter anderem 2-Lagen-Jacken und -Hosen, warme Fleeces und bequeme Baselayer ohne störende Nähte. Neben Qualität, Atmungsaktivität und Isolation wird ein perfekter Wärmeausgleich zwischen den Schichten ermöglicht. Das alles natürlich PFC-frei, sprich: frei von per- und polyfluorierte Chemikalien. Nicht selbstverständlich bei Funktionsjacken – PYUA ist nur eine von wenigen Marken, die PFC-Freiheit gewährleisten können.

Komplettiert wird dies noch durch Accessoires, wie Beanies, Headbands und Loops. Die beiden Winterkollektionen sind optisch sehr ansprechend, verbinden gelungen wie gekonnt Design und Style. Grün- und Blautöne, dazu Zickzack-Nähte, gelaserte Backbord/Steuerbord-Schriftzüge – Pyua legt mächtig los und bringt jeden Skifahrer und jede Snowboarderin modisch korrekt durch das weiße Glück.

 

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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Industry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Wie lange musste ich denn bitte darauf warten? Enspannte Schnittform trifft auf natürliche Farben und – Achtung – keine großflächigen Prints! Ich musste erst den Umweg über Finnland und meinen Freund Hannu gehen, um Industry of all Nations aus Los Angeles zu entdecken und lieben zu lernen.

Meine Begeisterung hat mehrere Gründe. Seit 2010 arbeitet das US-amerikanische Label an einer gänzlich neustrukturierten und besseren Produktionskette. Exzellente Qualität mit einwandfreien Materialien ist ein Muss für das Label. Die aktuelle Kollektion umfasst klassische Basics, Sweaters, Shirts, Jeans und Shorts. Der Clou ist die verwendete 100 Prozent biologisch angebaute und zertifizierte Baumwolle aus dem hauseigenen Clean Clothes Project, welches in Tamil Nadu, Indien, lokalisiert ist. Die Farbpallette umfasst viele unterschiedliche, mit Naturfarben schonend gefärbte, Töne. Vom hellblauen Indigo über Abstufungen von Indian Forest bis zum klassischen Schwarz. Die Farbwelten werden von Batik- und indisch inspirierten Designs komplettiert. Ganz wundervoll.

Industry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Das Besondere an IOAN™ sind aber nicht nur diese fantastischen Basics, sondern auch die vielen Projekte, die das Label initiiert und durchführt. Durch IOAN Batik und das Clean Clothes Project oder die Produktion der schicken Kenyatas Sneakers im Herzen Mombasas werden Projekte mit der Bevölkerung vor Ort in sozialverträglichem Umfeld durchgeführt und viele Dinge, die in der konventionellen Modeproduktion schief gehen, besser und nachhaltiger gestaltet.

Industry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOAN

Industry of all Nations sind – wie mir auch Lars bestätigte – noch ein richtiger Geheimtipp. Die Oberteile sind ab 60 Euro zu erstehen, die Shirts liegen bei 135 Euro und die Shorts in verschiedenen Farben bei glatt 100 Euro. Checkt dafür am besten den IOAN™-Webshop.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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15 Okt, 2014

Fasermarktreports

Textilfasermarkt 2013

Der globale Fasermarkt ist in Bewegung. Wie schon seit vielen Jahren wachsen die Anteile von synthetischen (erdölbasierten) und Cellulosefasern zulasten von Naturfasern wie Baumwolle und Wolle. Ökomodepionier_innen hätten diesen Trend wohl generell für problematisch gehalten und zugleich daraus ihre Daseinsberechtigung abgeleitet. Heute verändern wissenschaftliche Studien und Ökobilanzen die Sichtweise auf die Entwicklung. So manche Cellulosefasern und auch recycelte Synthetikfasern schneiden ökologisch besser ab als Naturfasern, zumindest wenn letztere nicht biologisch angebaut wurden (wir berichteten).

Die Fasermarktstudien von Textile Exchange (TE) betrachten den gesamten globalen Textilmarkt, also sowohl Bekleidungs- als auch Haushalts- und Wohntextilien. Dennoch passen die Zahlen zu dem, was sich in den großen Modehäusern und Handelsketten beobachten lässt. Polyester und Nylon beherrschen das Angebot. Insgesamt sind erdölbasierte Fasern für knapp 62 Prozent des globalen Faservolumens verantwortlich.

Baumwolle kommt an zweiter Stelle noch auf gut 30 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 % gegenüber dem Vorjahr. Bei Bio-Baumwolle liegt der Rückgang laut TE sogar bei 21 Prozent. Zugleich hat der Umsatz mit Bio-Baumwolle um rund 30 Prozent zugenommen. Was auf den ersten Blick wiedersprüchlich wirkt, erklärt sich durch den Abbau eines großen Angebotsüberhangs, der Baumwollbauern in der Vergangenheit dazu zwang, ihre Bio-Baumwolle als konventionelle Baumwolle zu verkaufen.

Dennoch ist selbst in den grünen Conceptstores nicht zu übersehen, dass Baumwolle (hier dann aus Bio-Anbau) zumindest in den Damensortimenten durch grüne Cellulosefasern wie Lyocell (Tencel) und Modal Edelweiß zurückgedrängt wird. Hauptgrund sind hier die fießenden, transparenten und oftmals leicht gläzenden Qualitäten, die sonst nur mit wesentlich teurerer Seide erreicht werden können. Im konventionellen Handel wird das Bild durch Polyester, Nylon und Viskose bestimmt. Alle 3 sind deutlich billiger als konventionelle Baumwolle und auch als grüne Regeneratfasern wie Tencel, Monocel oder Modal Edelweiß.

Der Anteil von Bio-Baumwolle am globalen Baumwollangebot liegt übrigens derzeit bei ca. 0,5 Prozent. Die gerne als “nachhaltige Baumwolle” vermarkteten Anbaukonzepte Better Cotton Initiative (BCI) und Cotton made in Africa (CmiA) kommen hingegen bereits bei 0,6 Prozent bzw. 2,3 Prozent. Bio-Baumwolle gerät damit auch im Segment der alternativen Anbausegmente unter einen gewissen Druck.

Am Gesamttextilmarkt nehmen Cellulosefasern, zu denen sowohl konventionelle Viskosen als auch Lyocell (Tencel, Monocel) zählen mit 6,8 Prozent den drittren Rang ein, verzeichnen jedoch das stärkste Wachstum. Wolle kommt immerhin noch auf 1,3 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Studie Jahrensvolumen misst und Wolle natürlich sehr saisonlastig ist. Zugleich sind Wollpullover, die zumindest überwiegend wirklich aus Wolle bestehen, im konventionellen Handel eine Seltenheit geworden. Die höheren Anteile liegen hier auch auf Produktebene meist bei Acryl, Polyester und Viskose.

Wie immer enthalten die TE-Studien auch Rankings der größten Verwender verschiedener Fasern. Im “Preffered Fibre Report” erstmals dabei auch eine Top-5 für recyceltes Polyester. Nike führt hier vor Puma, h&m, G-Star und Prana. Eine sehr weite Verbreitung hat inzwischen auch Tencel gefunden. Zu den Top-Verbrauchern dieser Regeneratfaser zählen neben h&m auch Uniqlo, die Inditex Gruppe (Zara und weitere), Gap und Levi’s. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Tencel diesen Breitenerfolg weniger nachhaligkeitsbezogenen Erwägungen der großen Textiler verdankt, sondern die spezifischen technischen Eigenschaften sowie der gesunkene Preis die Hauptgründe der verstärkten Verwendung sind.

Die Executive Summeries der hier zusammengefassten Studien 2013 Organic Cotton Report und 2013 Preferred Fibers Market Report können bei Textile Exchange kostenlos heruntergeladen werden. Neben mehr Zahlen zur Marktentwicklung enthält der “Preferred Fibres Report” zwei spannende Tabellen, in denen zum Einen verschiedene Baumwollanbaukonzepte und zum Anderen eine große Zahl verschiedenster Kunstfasern verglichen werden.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Eine Rezension von Michael Pollok

Mode, in all ihren facettenreichen Variationen, hat etwas Herrliches und Bezauberndes. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber eine mindestens genauso furchtbare und grausame Realität. Tansy Hoskins Buch ist ein kritisches Manifest, das genau hier ansetzt: Es ist keine Absage an die Schönheit und Kreativität, die in jedem Kleidungsstück steckt, sondern das Plädoyer gegen ein globales System, das auf allen Ebenen des sozialen Reproduktionsprozesses Menschen ausbeutet und diese für ökonomischen Interessen ausnutzt.

Die effektivsten Unterdrücker seien hierbei genau diejenigen, die es schaffen, ihre Untergeordneten dazu zu bringen sie zu lieben, zu begehren und sich mit ihrer Macht zu identifizieren. Mode nutzt genau diese Logik und verwehrt denjenigen an Schönheit und Kreativität teilzuhaben, die in mühevoller, aufzehrender Handarbeit, Tag für Tag auf den Baumwollfeldern und in den Nähfabriken dafür sorgen kleine Kunstwerke zu Minimalpreisen in unsere Läden zu liefern. In ihrem mitreißenden Buch führt Hoskins die Leser in die Untiefen einer Produktionswelt, die nur auf Profit aus ist und von einigen wenigen, transnational agierenden Unternehmen kontrolliert wird. Welche menschenverachtenden Praktiken dabei enthüllt werden dreht sogar gut informierten Modekenner_innen den Magen um und lässt die Mystique der Mode schnell verblassen.

Ständig kommt man ins Grübeln wie eigentlich dieser Pullover hergestellt wurde an den sich die beim Lesen immer wieder aufkommende Gänsehaut schmiegt. Dabei hört Hoskins nicht bei den ausgebeuteten Textilarbeiter_innen in den Produktionsländern auf, sondern erweitert ihre detaillierte Analyse auf die immense Ausbeutung der Natur- und Tierwelt und lenkt dann auch den Blick auf die vermeintlichen Ausbeuter – nämlich uns: die privilegierten Konsument_innen, die den Sinn verloren haben für Qualität, die sich täuschen lassen von großen Marketing-Kampagnen und Models, die sich bis in den Hungertot treiben und an den sexistischen und rassistischen Modeidealen zu Grunde gehen. Mode also als akribisch organisierte Ausbeutungsindustrie, die alle Lebenswelten weltweit vereinnahmt.

Und nun? In den letzten drei Kapiteln macht Hoskins Hoffnung auf eine alternative Realität und zeigt Perspektiven von Widerstand, Reform und Revolution. Hier wird schnell klar, dass sie mehr von uns fordert als zum Beispiel den Konsum ethischer Mode als Symptonbekämpfung eines defizitären kapitalistischen Systems. Wie könne man auch die Lösung für alle Probleme in der Ursache dieser finden? Doch wie kann man dieses menschenverachtende System umgehen? Hoskins fordert nicht weniger als eine radikale Demokratisierung von Mode: kleine Kooperativen in denen die Kleidung selbstbestimmt und unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird, unabhängige Designer_innen, aber auch Konsument_innen, die selbst zu kreativen Produzent_innen ihres Lebensstils werden. Nur so könne der Übergang von einer alles verzehrenden Fast-Fashion Mentalität hin zu selbstbestimmten Individualismus geschaffen werden, der nicht auf die Ausbeutung anderer angewiesen ist.

Hoskins Buch ist ein bedeutender und wichtiger Beitrag beim Nachdenken darüber, wie Mode sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet werden kann. Nach dem Lesen der letzten Seite ist es eben nicht eines der Bücher, die man resigniert und frustriert beiseitelegt, weil die Probleme sowieso zu groß scheinen oder man keine Lust auf einen weiteren Kauf-dich-nachhaltig-und-glücklich-Guide hat. Hoskins macht Mut und Lust selbst Vertreter_in eines eigenen individuellen Lebensstils zu sein und nicht mehr passive/r Konsument_in. Auch wenn viele Fragen offen bleiben ist das Buch doch eine Grundlage darüber zu reflektieren, wie wir gemeinsam aktiver, demokratischer und freier werden können und dabei das schätzen was wir und was andere dafür tun können aus dieser Welt einen offeneren, schöneren, traumhafteren Ort zu machen. Jede Praxis der politischen Emanzipation – und das gilt auch in der Mode, die nachhaltig sein will – beinhaltet auch immer die schwierigste Form der Befreiung, nämlich uns selbst von uns selbst. Prädikat: absolut lesenswert!

Stitched Up: The Anti-Capitalist Book of Fashion  von Tansy E. Hoskins ist erschienen bei Pluto Press.

     
 Michael Pollok   Michael Pollok ist seit Januar 2012 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Nachhaltige Entwicklung am Institut für Politikwissenschaft Münster und interessiert sich für Perspektiven einer nachhaltigen Politischen Ökonomie von Mode. Er macht derzeit ein Praktikum bei gruene wiese in Münster.

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Wenn irgendein Kleidungsstück ein Öko-Tuning verdient hat, dann Jeans. Einfach, weil Jeans ein Massenprodukt sind und jährlich zwei Milliarden Stück davon gefertigt werden. Allein die Deutschen kaufen jährlich über 100 Millionen Paar jeas, die im Schnitt 30 Euro kosten, obwohl auch Preise jenseits von 200 Euro werden bezahlt, wenn der Hintern in der Jeans knackig sitzt.  Heute gelten die Bluejeans aber erst als tragbar, wenn sie mühselig entstellt sind und so aussehen, als seien sie schon jahrelang getragen. Jeans müssen eine wilde Geschichte erzählen – und echtes Leben vortäuschen. Ohne künstlichen Vintage-Effekt sind sie eigentlich unverkäuflich. Den Used- oder Destroyed-Look machen viel Wasser und Chemie möglich und sorgen für eine schlechte Ökobilanz. Rund 7.000 Liter werden benötigt für eine herkömmliche Jeans. Das ist zurückhaltend geschätzt, denn bereits der Anbau der Baumwolle schluckt immens viel Wasser. Von den Färbebädern in der Fertigung ganz zu schweigen.

 

Grund genug sich anzusehen, was hinter der neuen “Conscious Denim”-Kollektion von H&M steckt, die unter dem Motto “Go green – wear blue” IMG_20141004_122304seit einigen Tagen weltweit in den Läden hängt. Dachte ich jedenfalls, als ich erwartungsvoll in der Haupteinkaufsstraße von Athen den H&M-Flagshipstore betrat. Pustekuchen. Die IMG_20141004_122323Conscious-Kunden vermutet H&M wohl eher woanders. In Hamburg bin ich dagegen sofort fündig geworden, obwohl die kleinen Größen schon nahezu alle ausverkauft waren. Der Andrang war unglaublich groß, kaum einer war in der Umkleidekabine ohne einen Jeans-Overall, eine Reiterhosen-Jeans oder ein gesteppte Jeans-Bomberjacke aus der Kollektion.  In der Herrenabteilung sah es ähnlich aus, bei Preisen um 39 Euro für Jeans oder Jacke oder Rock kein Wunder.

Alle Teile kommen in satten tiefblauen Indigo-Tönen daher, sind aus Biobaumwolle, recycelter Baumwolle (aus der H&M-Sammelaktion/bis 20Prozent-Recyclinganteil) oder Tencel. Der Jeans-Jumpsuit aus dem seidig fallenden Tencel wirkt deshalb so wenig jeansig, dass ich ihn sofort wieder weg gehängt habe, bei den Jeans hing mir der Schritt viel zu tief zwischen den Knien und der Mantel ohne Knöpfe, nur mit Gürtel changiert so ein bisschen zwischen Darth-Vader-Look und Bademantel (siehe Bild oben).

Aber bevor ich mich wieder weiter so anhöre wie das gestrenge Fräulein Rottenmeier aus “Heidi” – das Jeanshemd, die lange Strickjacke und der gesteppte Blouson sind top, ebenso wie die Herren-Jacke im Worker-Style. Schließlich waren Jeans mal robuste Arbeiterkleidung, bevor ihnen dann die Langlebigkeit und die Funktionalität abhanden kam und sie zum Fast-Fashion-Item wurden.

 

Aber was ist nun öko an der Kollektion außer den Rohstoffen? H&M hat mit den Waschungen experimentiert und bei der Wahl des Partners gutes Gespür bewiesen, denn sie kooperieren mit dem spanischen Denim-Spezialisten Jeanologia – Vorreiter der Entwicklung von natürlicheren Wasch- und Finishing-Techniken wie Ozonbleiche oder Lasertechnologie. H&M gibt an, 56 Prozent weniger Wasser und 58 Prozent weniger Energie als bei anderen Jeans gebraucht zu haben. Jeanologia selber spricht bei einer Ladung von 100 Kilogramm in einer Ozonmaschine (sieht aus wie eine riesige Waschmaschine) von bis zu 62 Prozent weniger Energie, 67 Prozent weniger Wasser und 85 Prozent weniger Chemikalien. Das ist wichtig, denn gebleicht wird sonst mit ätzendem Chemikalien wie Chlor und zusätzlich hochgiftiges Kaliumpermanganat aufgesprüht. Einige von euch haben vielleicht kürzlich bei der Talkshow “Hart, aber fair” zugeschaut. Der Einspieler mit den Bildern aus den Jeansfabriken in China hat mich wirklich erschreckt (ansonsten reißen diese Einspieler jede gerade gestartete Diskussion aus einander!). Für die Conscious-Kollektion hat H&M Ozonbleiche ausprobiert, Lasertechnik nicht. Dennoch sind die Jeans ein Fortschritt in puncto Ökologie, denn die Waschungen sind kritischer Punkt auch bei anderen Ökojeans.

Wer eine Jeans-Kollektion sehen will, die gewünschte Optiken mit Laser herstellt, kann jetzt zu Hess Natur gehen. Marina Chahboune, CSR-Managerin und Jeans-Spezialistin der Butzbacher Ökofirma hat ihre erste Kollektion im Laden hängen, in der Muster mit Laser ins Beinkleid gebrannt wurden. Die Jeans für über 100 Euro habe ich gekauft, weil parallel auf faire Arbeitsbedingungen geachtet wurden. Denn eine Ökojeans, die ein Maximum an Ökologie bietet, aber nur ein Minimum an Ethik, ist eigentlich Etikettenschwindel. Die Jeans habe ich auch bei “Hart, aber fair” getragen – aber mich dann doch nicht getraut auf dem Tisch zu tanzen, damit man sie sieht……

Marina wird es mir verzeihen.  Marina, die selbst bloggt - auch bei uns auf Grüne Mode, hat mich zudem heldinnenhaft bei einem Artikel beraten, der im aktuellen Männer-Magazin “Manual” IMG_20141004_122818von Gruner&Jahr erschienen ist und die dunklen Seiten des Denim beschreibt. Schwerpunkt des Heftes ist Jeans-Produktion.

Außer am Kiosk gibt es das Magazin gratis in der Herren-Abteilung von H&M (an der Kasse), denn H&M hat zum Start ihrer Conscious-Kollektion einen Teil der Auflage gekauft. Guckt doch mal rein und schreibt, was ihr vom Jeans-Schwerpunkt haltet.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir arbeiten an einer internationalen Laden-Liste. Deutschland, Österreich und Schweiz haben wir komplett, nun weiten wir unsere Recherche aus. Wer Tipps hat, was wir aufnehmen sollten, kann sich gerne bei uns melden.

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Immer häufiger sind grüne Modemarken auch in konventionellen Modehäusern und -boutiquen zu finden. Das ist schön, denn so erreicht die grüne Mode auch solche Kund_innen, die nicht gezielt danach suchen. Mit einer ernsthaften Umorientierung zu ethischerem Unternehmertum hat dieses Angebot allerdings oft genauso wenig zu tun, wie bei den Bio-Produkten im Discounter oder Markensupermarkt. Es geht vor allem darum, einfach allen relevanten Konsument_innentypen etwas zu bieten und ein bisschen vom postiven Image grüner Produkte zu profitieren.

Und so erzeugen die grünen Modelabels in nicht wenigen konventionellen Läden und Onlineshops ähnliche Widersprüche wie die, die wir bei Bio- und Fairtrade-Lebensmitteln auch schon in Bezug auf Discounter und Supermärkte diskutiert haben. Ist es sinnvoll ein fair hergestelltes Hemd bei einem Händler zu kaufen, der den Hauptumsatz weiterhin mit Kleidung macht, bei deren Herstellung Menschen und Umwelt ausgebeutet und vergiftet wurden? Ist es überhaupt noch ein fairer Einkauf, wenn das Einzelhandelsunternehmen sein eigenes Personal alles andere als fair behandelt?

Immer wenn ich in den letzten Jahren Verkäufer_innen aus konventionellen Textilläden kennen gelernt habe, habe ich versucht etwas über ihre Arbeitsbedingungen zu erfahren. Die Ergebnisse dieser Recherche bestätigen, was auch in Foren, aber bisher selten auf Mode-Blogs oder in Mode-Printmedien diskutiert wird. Tariflohn wird nur äußerst selten gezahlt. Meist wird auch der anvisierte Mindestlohn von 8,50 deutlich unterschritten. Löhne um die 7 euro sind selbst im finanziell nicht schlecht gestellten Münster keine Seltenheit.

Insbesondere in großen Modehäusern kommt dazu noch ein permanenter Druck möglichst viel zu verkaufen, egal ob Kund_innen einen Bedarf äussern oder nicht. Die Umsätze der Mitarbeiter_innen werden in Zeiten digitaler Kassen in der Regel seperat erfasst. Hohe Umsätze werden teils mit Provisionen belohnt. Es werden Rankings der Mitarbeiter_innen geführt. Den letztplatzierten blühen oft unangenehme Gespräche.
Für das Arbeitsklima ist diese Konstellation natürlich Gift. Es entsteht eine Konkurrenzsituation in der Verkäufer_innen nicht selten versuchen sich untereinander Kund_innen und Umsätze wegzuschnappen. Teils um das magere Einkommen aufzustocken, teils auch aus Sorge um den Arbeitsplatz. Verkäufer_innen sind oft nicht unbefristet angestellt.

Auch ökologisch ist die umsatzmaximierende Verkaufspolitik mehr als bedenklich. In Schulungen wird gelehrt, dass Kund_innen möglichst nie mit einem einzelnen Produkt, sondern immer mit einem ganzen neuen Outfit den Laden verlassen sollten. Übervolle Kleiderschränke und ungeplante Käufe nicht benötigter Kleidungsstücke werden auch durch diese verbreitete Praxis befördert.

Dass es auch anders geht und auch auf der Ebene des Einzelhandels nachhaltiges Unternehmertum einen Unterschied macht, beweisen grüne Conceptstores mit oft großem Engagement. Schon früh haben sich z.b. die Händler aus dem Korrekte Klamotten Netzwerk über Mitarbeitermindestlöhne, ökologische Energievorsorgung, ethisches Banking und nachhaltiger Ladeneinrichtung verständigt. Für grüne Ladenbetreiber_innen sind diese Themen meist selbstverständlich. Es ist am Ende eben auch eine Frage der Prioritäten, ob zu Gunsten ethischer Ziele höhere Kosten in Kauf genommen werden oder alles dem Maximalgewinn untergeordnet wird.

Wie gesagt: ich freue mich über faire und ökologische Produkte in konventionellen Läden. Egal ob Bio-Möhre, Fairtrade-Kaffee oder korrekte Jeans. Trotzdem kaufe ich alles 3 aber lieber in Läden, in denen organic und fair nicht nur das Sortiment erweitern, sondern als Werte im gesamten Unternehmen gelebt werden.

Allen, die sich fair einkleiden wollen, empfehle ich daher immer wieder einen Blick auf die Grüne Liste “Ethical Fashion Concept Stores”, die sich in den letzten Jahren stetig verlängert hat. Wer jedoch für seine Stadt noch immer nicht fündig wird, sollte ruhig mal in konventionellen Läden nach fairer und ökologischer Kleidung fragen. Zumindest einige größere Labels dringen inzwischen auch in kleinere Städte vor. Und wer sich traut kann sich ja auch mal nach Löhnen und Verkaufspolitik beim Händler erkundigen. Kritischer Konsum wird relevanter. Vielleicht ist das auch eine Chance für mehr Fairness und nachhaltigeres Unternehmensverhalten im Einzelhandel selbst.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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(Direkt zur neuen grünen Ladenliste? hier lang!)

Die letzte große Listen-Aktualisierung liegt schon fast 1 Jahr zurück und es ist einiges passiert. Kiss the Inuit hat neben dem Stammladen in Köln nun einen zweiten Laden in Bonn eröffnet. Supermarché bietet in Berlin ebenfalls in einem zweiten Laden nun erheblich mehr Auswahl und das ganz in der Nähe von Bio-Fastfood-Pionier Yellow Sunshine. Also wie gemacht für eine grüne Shoppingtour.

4 (bald) 5 Läden haben leider wieder geschlossen, davon 2 (bald 3) Atelierläden von Berliner Labels sowie 2 Multibrandstores, 1 x Jena und 1 x Hamburg. Noch bis zum 20.9. macht Slowmo in Berlin an der Libauer Straße 16 einen Super-Sonder-SALE zur Räumung des Ladenlokals. Beste Gelegenheit ein Teil der Slowfashion-Pionier_innen zum Vorzugspreis zu ergattern. Also hin da, lieber Berliner_innen und Berlinbesucher_innen. (und keine Sorge: das Label Slowmo gibts auch weiterhin!).

Dass die Liste insgesamt trotzdem wieder länger geworden ist, liegt vor allem daran, dass mehrere Labels erste Flagshipstores eröffnet haben. Das vegane Avantgarde-Label Umasan (Foto oben links) ist nun neben dem Store in Berlin Mitte auch noch in der Concept-Mall Bikini in Berlin West zu finden. Dort findet ihr derzeit auch noch den Kleidungsladen in einer der Bikini Boxes. Das sind aus rohem Holz gefertigte Verkaufsboxen in die sich Läden und Labels temporär einmieten können.

Ebenfalls einen Flagship-Store in Berlin hat nun auch das Streetwear-Brand Bleed Clothing (Foto oben rechts). In Friedrichshain präsentiert Bleed seine Kollektion mit einem Shop-in-Shop beim Blackriver Fingerboardshop. Die Eröffnungsparty während der Sommer-FashionWeek hat auf jeden Fall gerockt. Unbedingt auch die abgefahrenen Fingerboardparks in den hinteren Räumen und im Keller anschauen!

In Düsseldorf ist Wunderwerk (Foto unten links) seit einigen Wochen mit einem eigenen Laden in Flingern vertreten. Direkt am Sitz des Labels wird die Kollektion nun in ihrer ganzen Breite präsentiert.

Und zum Schluss wieder zurück nach Bonn. Schon 2013 eröffnete Alma&Lovis dort einen Flagshipstore (Foto unten rechts). Der war uns wohl bei der letzten Aktualisierung entgangen, ist ab sofort auch auf der Liste und ein Besuch unbedingt empfohlen.

Bitte beachtet auch die geänderten Öffnungszeiten sowie einige durch Umzug veränderte Adressen. Viel Spaß beim grünen Kleiderkauf!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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