Crowdfunding | Beispiele aus der Grünen Mode | Startnext, Kickstarter & onecrowdplanet | GRÜNE MODE

Wenn es in diesem Jahr einen Trend gab, dann hieß dieser “Crowdfunding”. Alles wurde durch die Crowd finanziert, vom ersten Supermarkt ohne Einwegverpackungen (Original Unverpackt) über investigativen und reportageartigen Journalismus (Krautreporter) bis zu einer neuen Job-Splitting-Plattform (Tandemploy). Dieser Trend machte auch nicht vor der Grünen Mode Halt – glücklicherweise.

Christina Wille konnte etwa durch eine Kampagne bei Startnext über 4.000 Euro für ihren Laden “loveco” sammeln und feierte am 25. November die Eröffnung in Berlin-Friedrichshain. Auch Vehement war erfolgreich: auf Kickstarter konnten Jan Lenarz und sein Team über 20.000 Euro erzielen, um die erste Sweatshop-freie und vegane Kampfausrüstung produzieren zu können.

Grüne Mode stellt euch heute vier spannende und noch laufende Crowdfunding-Kampagnen vor.

Crowdfunding | FreiVon. | Veganer Damenschuh | GRÜNE MODE

FreiVon.

“Vegane Schuhe aus dem Sweatshop?! Tierfreundlich aber umweltfeindlich?! Nein Danke!” Das haben sich zumindest Sarah Pollinger und Paul Stüssel gedacht und verfolgen deswegen mit FreiVon. ihre Idee eines nachhaltigen, in Deutschland produzierten und veganen (Damen)Schuh. Dem ersten seiner Art in Deutschland. Ein Öko-Schuh, der nicht nach einem Öko-Schuh aussieht. Für dieses Ziel versuchen die beiden, zunächst 15.000 Euro für die Produktion des Schuhs und bestenfalls bis zu 45.000 Euro zu sammeln. Damit könnten Sarah und Paul dann zum Beispiel Sohlen spritzen lassen und mithelfen, einen Prototypen aus Kunstleder so weiter zu entwickeln, dass es sich für die Schuhherstellung eignet. Die Kampagne läuft noch bis zum 29.12., wobei die Early-Bird-Schuhe, 20 Stück an der Zahl, bereits vergriffen sind.

Crowdfunding | Headmates | Wollmützen | GRÜNE MODE

Headmates

Mützen können eine Geschichte erzählen. Das beweisen die Headmates. Unikate, von bayerischen Omis gestrickt. Um diese und das peruanische Projekt “Mirasol” geht es in der aktuellen Crowdfunding-Kampagne bei oneplanetcrowd. Bei Erreichen der niedrigsten Funding-Schwelle (6.000 Euro) kann Headmates dem Projekt mehr als 70 Kilo Wolle fest abnehmen und damit aus den Einnahmen einer Schulklasse ein Jahr lang die Schulmaterialien finanzieren. Werden 8.500 Euro erreicht, könnte das Label sicherstellen, dass zwei weitere Personen aus der Behindertenwerkstatt Donauwerker GmbH in Passau eine Aufgabe und einen Job bekommen. Gehen alle Wünsche in Erfüllung und werden sogar 11.000 Euro eingenommen, könnten neben Siglinde, Centa und Gertrud noch zwei weitere Omis beschäftigt werden. Noch bleiben knapp 50 Tage Zeit, um die Ziele der Headmates zu erreichen.

Crowdfunding | beliya | Upcycling Taschen | GRÜNE MODE

beliya

Das Crowdfunding der etwas anderen Art hat beliya gestartet. Das Label arbeitet mit Leftovers und Retouren von Designer-Häusern sowie aus Stoffüberschüssen aus Prêt-à-Porter Kollektionen. Upcycling mit co2-neutralem Versand. Mit der Schwarmfinanzierung soll diesmal aber nicht der Ankauf von Materialien oder eine neue Kollektion finanziert werden, sondern dem Spendenpartner “Steps for Children” aus Rehoboth, Namibia, geholfen werden. Wird die Fundingschwelle von 15.000 Euro erreicht, finanziert beliya die Innenausstattung des neuen Schulgebäudes, etwa mit Tafeln, Tischen und Stühlen. Wer das Projekt mit 39 Euro unterstützt, erhält ein Notizbuch mit Ledereinband, bei weiteren 110 Euro gibt es dann bereits die Happiness-Tasche. Auch dieser Kampagne bleiben noch über 50 Tage Zeit, ihre Ziele – gemeinsam mit der Crowd – zu erreichen.

Crowdfunding | UMIWI| Accessoires | GRÜNE MODE

UMIWI

UMIWI – Not a fairy tale. Was für ein Name. Aus diesem kann bereits sehr viel über die Arbeit von Dorothea Schrimpe, Julia Six, Julian Seiffert und Florian Huesmann gelesen werden. Im Mittelpunkt des Labels stehen natürliche und handgefertigte Accessoires, hergestellt aus Mangoholz (Thailand), Schafwolle und Silber (Mexiko). Die Markenzeichen von UMIWI sind Zeitlosigkeit, Farbvielfalt und traditionelle Handarbeit. Mit den Erlösen der Crowdfunding-Kampagne werden die Hilfsorganisationen “Sunita Handicrafts” Indien und “Urban Light” Thailand in das UMIWI-Netzwerk integriert und zwei neue Produktideen realisiert. Das Tolle an diesem Crowdfunding: Obwohl noch 50 Tage verbleiben, hat UMIWI bereits über 50 Prozent der Fundingschwelle von 7.500 Euro erreicht. Ein schöner Zwischenerfolg für das Team rund um Dorothea Schrimpe. Wir hoffen, dass es so erfolgreich weitergeht.

Coverfoto: LendingMemo via Photopin cc
Produktfotos: FreiVon. / Headmates / beliya / UMIWI

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   1 Kommentar

Trotz Nieselregen und Graupelschauer sind viele von ihnen in Berlin täglich unterwegs: die Fahrradfahrer. Unermüdlich, trotz schlechter Witterungsbedingungen. Sowohl für diese Radfahrer als auch für alle, die lieber den Drahtesel nehmen als den Öffentlichen Nahverkehr oder das Auto gibt es die neue Kollektion von AHRBERG - einem kleinen feinen Fahrradsportlabel aus Hamburg. Aus der Taufe gehoben wurde dies vom Namensgeber Mathias Ahrberg, den ich zum Interview bieten durfte.

Ahrberg | Interview | Fahrradmode | EcoFashion | Foto: René Zieger | GRÜNE MODE

Alf / Mathias, du hast bis 2012 mit Wiebke zusammen fairliebt gemacht. Auf der Abschiedsfeier in Hamburg wusstest du aber noch nicht, dass es für dich mit AHRBERG weitergehen sollte. Wie kamst du auf die Idee, Fahrradbekleidung zu machen?

Mathias / Das hat sich langsam so entwickelt. Kurz nachdem wir mit fairliebt aufgehört haben, saß ich mit meinem guten Freund Christian, mit dem ich versuche einmal im Jahr in Österreich Mountainbike zu fahren, abends auf dem Balkon, wir tranken ein Bier und Christian sagte: “Und jetzt gründest du ein Fahrradsportlabel!” Ich lachte und sagte: “Auf gar keinen Fall!” Eineinhalb Jahre später waren wir wieder Radfahren, diesmal im Allgäu, haben Bier getrunken und ich meinte zu ihm: “Rate mal, was ich jetzt mache? Ein Fahrradsportlabel!“

A / Was ist in den eineinhalb Jahren passiert und warum hast du dich für Fahrradmode entschieden?

M / Ich hatte doch wieder Lust, etwas Eigenes zu machen. Bei der Fahrradmode hat mich vieles gestört: Die Materialien, der Look, der ganze Ansatz. Mit AHRBERG geht es mir darum, dem Radfahren eine Wertigkeit zu geben. Die Fahrradfahrer sind noch eine sehr heterogene Masse. Es gibt kein „Wir sind Radfahrer“, wobei sich das seit Jahren bessert. Radfahren ist aber nicht nur Sport, sondern eben auch praktisch. Das Fahrrad ist das praktischere Fortbewegungsmittel. Und dafür mache ich mit AHRBERG auch praktische Fahrradmode.

A / Neben den “Freunde am Fahren“-Touren sind die Messen für dich wichtig, um AHRBERG bekannter zu machen. Du hast 2014 auf der Velo und der Berliner Fahrradschau tolles Feedback für deine Kollektion bekommen. Manche waren begeistert, da dein Loop »wirklich so gut ist wie du gesagt hast« – ein tolles Lob für deine Arbeit und deine Produkte.

Ahrberg | Interview | Fahrradmode | EcoFashion | Foto: Ahrberg.cc | GRÜNE MODE Ahrberg | Interview | Fahrradmode | EcoFashion | Foto: Ahrberg.cc | GRÜNE MODE

M / Danke und »Ja«, das Material, welches wir verwenden, ist wirklich gut. Für das Shirt haben wir TENCEL verwendet. Der Stoff wird in Österreich produziert und in einer polnischen Näherei weiterverarbeitet. Der Loop besteht aus 60 Prozent TENCEL und 37 Prozent Meryl Nexten, einer klassischen Funktionsfaser. Das ist aus grünem Gesichtspunkt nicht ganz korrekt, da es eine Neufaser ist, die eingearbeitet wird. Das Problem ist: Wir kriegen in Europa keine recycelten Fasern, da wir als Label viel zu klein sind. An diesem Punkt wägen wir ab und haben uns für ein Bluesign®-zertifiziertes Produkt entschieden, welches zudem vegan ist.

A / (Überrascht) Ist vegane Radkleidung ein Thema?

M / Ja, nicht nur in meinem Freundeskreis. Für Radkleidung wird häufig Merino-Wolle, meist aus Neuseeland, verwendet. Alles, was schlicht und schön ist, ist auch aus Merino-Wolle. Gerade der Prozess der Gewinnung der Wolle ist fragwürdig. Um darauf nicht zurückgreifen zu müssen, haben wir beim Shirt auf 93 Prozent TENCEL und 7 Prozent Elasthan gesetzt – und haben damit ein noch besseres Produkt erhalten.

A / Mit TENCEL bist du der einzige Anbieter im Fahrradbereich, wenn ich das richtig im Kopf habe.

M / Ja, und ich bin verwundert, dass so wenige Labels TENCEL für Bekleidung verwenden. TENCEL ist gegenüber der Baumwolle die effizientere Faser, gerade in Bezug auf die Anbaufläche und den Wasserverbrauch.

 

Ahrberg | Interview | Fahrradmode | EcoFashion | Foto: Ahrberg.cc | GRÜNE MODE

A / Was mich wundert ist: TENCEL wird kaum verwendet, obwohl es eine bessere Haptik hat und eine höhere Qualität in der Verarbeitung garantiert …

M / … aber teurer ist. Das ist der Knackpunkt, das Ausschlaggebende. Du bist mit TENCEL gleich im höherpreisigen Segment. Bei einem T-Shirt liegst du eben bei 65 Euro. Im Lifestyle-Bereich ist das viel, im Sport- und Funktionsbereich aber noch in Ordnung. Ich bin weiterhin optimistisch, auch wenn das Material das Dreifache von einer sehr guten Baumwolle kostet.

A / Nach dem Loop, den Cycling Caps, dem Shirt und deinem Baselayer – wie geht es mit AHRBERG modisch weiter?

M / Perspektivisch wollen wir Richtung Streetwear gehen. Aber wir nehmen uns immer viel Zeit für die einzelnen Produkte, da wir alles selbst entwickeln. Wir schlagen nicht einfach den Katalog auf und drucken irgendwo unser Label drauf. Ich hätte zum Beispiel total Bock auf eine Hose, aber das ist eben ein immenser Aufwand. Gerade bei einer Jeans, die bei 140 Euro liegen würde. Ein Loop ist da einfacher, ein Teil zum Mitnehmen, für 40 Euro.

A / Nicht nur für die Rennfahrer?

M / Nein, für alle Radfahrer. Auf unserem Shirt zum Beispiel findest du keinen Reflektorstreifen oder ähnliches. Es ist einfach ein tolles Shirt, das dich auf dem Rad gut gekleidet und funktional auf die Arbeit bringt. So einfach ist es, nach dem Motto »Cycling is not a sport«.

Fotos: René Zieger (Ahrberg Cycle Cap) sowie Ahrberg.cc (Produktfotos) als auch Björn Lexius (Kampagnenmotiv)

Ihr wollt noch mehr über Ahrberg wissen? Dann lest am besten hier das ausführliche Interview von Alf mit Mathias – mit weiteren Infos, Anekdoten und einigen philosophischen Gedanken.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   Keine Kommentare

ziek_podiumsdiskussion_barbara-hendricks

Wie sind energetische Gebäudesanierungen besser zu fördern? Kann es eine Steuererleichterung für klimafreundliche vegane Produkte geben? Wann kommt endlich ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Bei der Kickoff-Veranstaltung zur neuen Kampagne Zusammen ist es Klimaschutz des Bundesumweltministeriums stellte sich Ministerin Barbara Hendricks den Fragen der einbezogenen Blogger_innen. In den wunderbaren Räumen der Berliner Hörsaalruine kamen engagierte Netzjournalist_innen aus verschiedensten nachhaltigkeitsbezogenen Themenbereichen zusammen. Unter anderem Florian Semle für Utopia, Christoph Harrach von Karma Konsum, Christoph Schott von Avaaz, Martin Randelhoff von Zukunft Mobilität und Marco Eisenack für Klimaretter. Hendricks bewies viel ökologischen Sachverstand in den unterschiedlichsten Feldern. Sie ist eine sehr offene und im positivsten Sinne bodenständige Politikerin. Das ist ja nun nicht unbedingt der Regelfall und hat mir sehr imponiert.

Klimapolitisch liegen Frau Hendricks und ich dagegen so gar nicht auf einer Wellenlänge. Zunächst einmal hält Frau Hendricks das 2-Grad-Ziel für wissenschaftlich unumstritten, von ein paar Einzelpositionen abgesehen. Damit meinte sie wohl einzelne Klimaskeptiker, die generell gegen jede Klimaschutzmaßnahme argumentieren. Richtig ist jedoch, dass es in der Wissenschaft auch renomierte Forscher_innen gibt, die das 2-Grad-Ziel für zu schwach halten, da die Folgen einer entsprechenden Erwärmung insbesondere im globalen Süden existenzbedrohende Auswirkungen haben können. Entsprechend votieren 44 in der Alianz der kleinen Inselstaaten zusammengeschlossene Länder für eine Verschärfung des Ziels auf 1,5 Grad.

Wie angekündigt habe ich nach der Vereinbarkeit von wachstumsorientierter Wirtschaftspolitik und zielführendem Klimaschutz gefragt. Da sieht Frau Hendricks überhaupt kein Problem. Sie glaubt an grünes Wachstum und hält die Wirtschaftspolitik ihres Parteikollegen Gabriel – zumindest öffentlich – nicht für wachstumsorientiert. In Zeiten, in denen es ökologische Wachstums- und Kapitalismuskritik vielfach in die Feuiltons der großen Printmedien geschafft hat, war ich von so viel grüner Wachstumsüberzeugung doch etwas enttäuscht. Wie gut die Politik des Wirtschaftsminiteriums zum Klimaschutz passt, beweist Herr Gabriel uns ja nun gerade eindrucksvoll beim Thema Kohlekraftwerke.

Ganz anders die versammelten Netzjournalist_innen. Gleich mehrere Kolleg_innen stiegen auf die Thematik ein und unterstrichen eine wachstumskritische Haltung und die Forderung nach weitergehenden Klimaschutzmaßnahmen, die – wo notwendig – auch zu Lasten unseres materiellen Wohlstands gehen dürften.

Barabara Hendricks verwehrte sich strickt gegen eine Politik, die in die Lebensweisen der Menschen hineinregiert. Zwar lebe sie selber in vielen Bereichen materiell eher bescheiden, aber wolle niemanden vorschreiben es ihr gleich zu tun. Vielleicht auch als Lehre aus dem Veggieday-Trauma der Grünen spielte Hendricks mehrfach die Freiheit des Einzelnen gegen ambitioniertere Klimaziele aus.

Wer sämtliche Einschränkungen hierzulande für unzumutbare Eingriffe in die Handlungsfreiheiten hält, wird auch das 2-Grad-Ziel nicht erreichen oder muss die Einschränkungen anderen Gesellschaften aufbürden.
Bei der Podiumsdiskussion im Anschluss an die Bloggerfragerunde wurde das Thema erneut aufgegriffen. Gefragt, ob nicht unsere Konsumfreiheiten wiederum in die Entwicklungsfreiheiten von Menschen in anderen Teilen der Welt eingreifen würden, bejahte die Ministerin zumindest diesen Zusammenhang. Eine Vertiefung der Problematik war leider aus zeitlich gründen nicht mehr möglich.

Progressivere Vorstöße für Klima- und Ressourcengerechtigkeit im Sinne von Kontraktion und Konvergenz oder dem persönlichen CO²-Budget sind also von Barbara Hendricks wohl erstmal nicht zu erwarten. Für Aufklärung und Unterstützung beim nachhaltigeren Konsum ist sie hingegen auf jeden Fall zu haben. Auch das Thema Textilsiegel interessiert sie sehr und eine Regelung für die Werbung mit Begriffen wie “klimafreundlich”, “klimaneutral” und Ähnlichem wurde andiskutiert.

Versprochen hat Frau Hendricks zudem eine Anfrage beim Finanzminister zur Besteuerung von Pflanzenmilch (Soja- Hafer-, Mandelmich und Co), die bisher mit 19 % Mehrwertsteuer gegenüber Kuhmilch “diskriminiert” wird. Eingebracht hatte dies Julia Koch vom schicken jungen Veganblog Times They Changing. Ich bin gespannt, was der Herr Schäuble dazu sagt.

Zusammen ist es Klimaschutz. Mit der Kampagne will das Umweltministerium zu nachhaltigem Verhalten im Alltag anregen. Die Kampagne wird vorrangig über soziale Medien verbreitet und entsprechend richtet sie sich an ein eher jüngeres, internetaffines Prublikum. Von allen eingeladenen Blogger_innen wurden kurze Clips gedreht, in denen sie ihr Blog und ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorstellen. Schaut euch die Videos mal an und vor allem auch die dazugehörigen Blogs. Neben Times They Changing ist mit Pink & Green noch ein schönes veganes Ökomodeblog dabei. Zumindest die Blogger_innen schienen mir durchweg an ambitioniertem Klimaschutz interessiert. Beibt die Frage, ob das auch zusammen mit dieser Regierung möglich ist.

Natürlich will ich euch mein Video nicht vorenthalten. Von mir unbeeinflusst beginnt das passender Weise gleich mit einer Verzichtspredigt…

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   1 Kommentar

753b92a198

„Lima, Paris – im Jahr 2015 wird der Klimaschutz wieder in die Schlagzeilen kommen, denn wichtige Konferenzen und wegweisende Entscheidungen stehen an!

Grund genug für das Bundesumweltministerium, eine Kampagne zu starten. Dabei sollen ganz praxisnah und unterhaltsam Möglichkeiten vorgestellt werden, wie sich umweltverträgliches Verhalten stressfrei und zeitgemäß in den Alltag integrieren lässt.

Beim Auftaktevent mit Ministerin Barbara Hendricks und mehreren Nachhaltigkeits-Blogger_innen am 11. November wird Lars für Grüne Mode vor Ort sein und die Möglichkeit haben, ihr direkt Fragen zu stellen.

Was würdet ihr die Ministerin gerne mal Fragen? Die Fragen müssen in diesem Fall nicht unbedingt etwas mit Textilproduktion zu tun haben. Schreibt eure Anliegen einfach unter diesen Artikel als Kommentar. Ich werde 2 oder 3 Fragen stellen können und berichte auch im Anschluss von dem Event.

In den ersten Jahren und mehr noch vor meiner Tätigkeit in der grünen Modebranche habe ich viel klimapolitische Arbeit gemacht. Sowohl mit lokalen Gruppen zu Solidarischer Ökonomie und Transition Towns als auch bei den internationalen Klimaaktionscamps von Hamburg und Kopenhagen. Aus dieser Perspektive einer Klimagerechtigkeit heraus interessiert mich selbst ganz besonders, ob die Ministerin an eine Vereinbarkeit des von ihrer Partei mitgetragenen Wachstumskurses und einem wirksamem Klimaschutz glaubt. Und wenn ja, woher sie diesen Glauben nimmt.

Allen, die beim Thema Klima- und Ressourcengerechtigkeit ebenfalls eher auf eine Postwachstums-Ökonomie setzen, empfehle ich noch die Dokumentation “Wachstum, was nun?“, die ihr derzeit noch in der arte-Mediathek sehen könnt.

Ich bin gespannt auf eure Fragen!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   1 Kommentar

europes-green-fashion-stores_1

von Links nach Rechts: 1. TWOTHIRDS (Barcelona), 2. Nukuhiva (Amsterdam), 3. Bottega Ethica (Friburg, Schweiz), 4. Naiwa (Toulouse)

Immer mehr Läden mit einem auf ökologische und faire Mode fokussierten Konzept machen grüne Mode in den Städten sichtbar. Deutschland ist da eindeutig Vorreiter, aber auch bei unseren europäischen Nachbarn tut sich was.

Die letzte Grüne Liste zu Green Fashion Stores in Europa entstand 2009 und hatte 44 Adressen aus 9 Ländern zu bieten. Nun sind wir bereits bei über 100 Läden in 11 Ländern. Gleich mit 34 Läden ist die französische Franchise-Kette Ekyog vertreten. Sie stellt damit den Löwenanteil der Neuzugänge. Aber auch sonst sind viele Adressen neu und nicht wenige aus der alten Liste nicht mehr existent. Wie auch hierzulande bleibt trotz der Geschäftsaufgaben die Gesamtbilanz aber deutlich positiv.

Während wir uns hierzulande sicher sind zumindest die allermeisten Neueröffnungen mit zu bekommen und damit eine relative Vollständigkeit gewährleisten zu können, ist das im europäischen Ausland sehr viel schwieriger. Die Recherche für die Europäische Liste hat Jonas Dederichs-Eckertz übernommen und das war ein echtes Mammutprojekt. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Jonas für seinen Einsatz, der uns einen Überblick über die europäische Ladenszene verschafft, den wir sonst wohl so nie bekommen hätten. Dabei war es für ihn oft aus der Ferne gar nicht so leicht zu beurteilen, ob ein Laden noch besteht oder nicht und die Sprachbarrieren machten die Überprüfung der angebotenen lokalen und weniger bekannten Labels zu einer linguistischen Herausforderung.

Jonas ist eigentlich Wirtschaftswissenschaftler und macht gerade seinen Master in Köln. Den Bachelor hat er in Münster absolviert, wo er über einen Freund sowohl im dort von mir mitbetriebenen Concept Store landete als auch in der Studierendeninitiative Wirtschaft & Umwelt, deren Gast ich zwei Mal sein durfte. Das Thema grüne Mode hat ihn dann richtig gepackt und er hat inzwischen auch schon ein Praktikum bei einer NGO zu diesem Thema absolviert. Genau solche Wirtschaftswissenschaftler brauchen wir ganz dringend mehr!

europes-green-fashion-stores_3

von Links nach Rechts: 1. Adisgladis (Stockholm), 2. Uniforms for the Dedicated (Stockholm), 3. Nudge (Helsinki), 4. L’herbe Rouge (Paris)

Anders als bei den anderen Grünen Listen haben wir bei dieser Liste nicht konsequent das Öko+Fair-Prinzip anwenden können, denn sonst wäre sie sehr sehr kurz geraten. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes hat sich die Zusammengehörigkeit von ökologischer und fairer Produktion bisher nicht wirklich durchgesetzt. In den meisten Läden gibt es daher auch Marken und Produkte zu kaufen, die nur eines der beiden Kriterien erfüllen. Und es werden auch immer wieder Sachen angeboten, die sich überhaupt nicht durch eine ethische, nachhaltigere Produktion, sondern nur durch Charity von konventioneller Ware unterscheiden. Das gilt insbesondere für Tom’s Shoes. Einen guten, kritischen Artikel zu deren Buy-one-Give-one-Konzept findet ihr hier.

Die Läden der neue Liste verdienen trotzdem einen Besuch und begeistern oftmals auch durch sehr schöne und kreative Einrichtungskonzepte. Ihr solltet nur ein bisschen genauer hingucken, wenn es um euch nicht bekannte Marken geht. In Österreich und der Schweiz verfolgen die Läden das Öko+Fair-Prinzip genauso konsequent wie die Läden auf der Liste für Deutschland.

Die Grüne Liste “Green Fashion Stores in Europa” und alle weiteren Listen findet ihr wie immer hier.

Wenn ihr weitere Green Fashion Stores im europäischen oder sogar außereuropäischen Ausland kennt, bitte gerne mit Link als Kommentar unter diesen Post!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   Keine Kommentare

PYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODEPYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODE

Vor jeder neuen Saison stellen sich Boarder und Skifahrer die selben Fragen: Ist mein Board noch intakt? Brauche ich eine neue Bindung? Hält der Anzug aus den letzten Jahren noch einen Winter durch? Wer bisher noch nicht nach einer wirklich grünen Alternative gesucht hat, wird heute fündig. Vorhang auf für Pyua – Ecorrect Outerwear.

Dem Label von Timo Perschke gelingt es, Funktionalität in der Bekleidung mit dem Spaß am Sport und dem auch auf der Piste wichtigen Style zu verbinden. Als erste Funktionsbekleidungsmarke weltweit fertigt Pyua seine Kleidung aus bereits recycelten oder recycelfähigen Polyester-Materialien und kann diese durch das Closed-Loop-Recycling wieder vollständig verwerten – ohne neue Strukturen für die Rücknahme von Kleidung. Wie das geht? Ganz einfach: Es wird schlicht die bestehende Struktur der bekannten Altkleidercontainer und Recycling-Partner genutzt.

PYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODEPYUA | Ecorrect Outerwear | Herbst/Winter 2014 Kollektion | Funktionskleidung | Skikleidung | Foto: PYUA | GRÜNE MODE

Das ausgezeichnete und mit Preisen bedachte Label hat für diesen Winter insgesamt drei Kollektionen aufgelegt. Neben der Crosstown Linie für funktionale Styles neben der Piste gibt es die Paramount Linie für die Herren und die Core Linie für die Damen. Diese umfasst unter anderem 2-Lagen-Jacken und -Hosen, warme Fleeces und bequeme Baselayer ohne störende Nähte. Neben Qualität, Atmungsaktivität und Isolation wird ein perfekter Wärmeausgleich zwischen den Schichten ermöglicht. Das alles natürlich PFC-frei, sprich: frei von per- und polyfluorierte Chemikalien. Nicht selbstverständlich bei Funktionsjacken – PYUA ist nur eine von wenigen Marken, die PFC-Freiheit gewährleisten können.

Komplettiert wird dies noch durch Accessoires, wie Beanies, Headbands und Loops. Die beiden Winterkollektionen sind optisch sehr ansprechend, verbinden gelungen wie gekonnt Design und Style. Grün- und Blautöne, dazu Zickzack-Nähte, gelaserte Backbord/Steuerbord-Schriftzüge – Pyua legt mächtig los und bringt jeden Skifahrer und jede Snowboarderin modisch korrekt durch das weiße Glück.

 

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: Label   |   1 Kommentar

 

Industry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Wie lange musste ich denn bitte darauf warten? Enspannte Schnittform trifft auf natürliche Farben und – Achtung – keine großflächigen Prints! Ich musste erst den Umweg über Finnland und meinen Freund Hannu gehen, um Industry of all Nations aus Los Angeles zu entdecken und lieben zu lernen.

Meine Begeisterung hat mehrere Gründe. Seit 2010 arbeitet das US-amerikanische Label an einer gänzlich neustrukturierten und besseren Produktionskette. Exzellente Qualität mit einwandfreien Materialien ist ein Muss für das Label. Die aktuelle Kollektion umfasst klassische Basics, Sweaters, Shirts, Jeans und Shorts. Der Clou ist die verwendete 100 Prozent biologisch angebaute und zertifizierte Baumwolle aus dem hauseigenen Clean Clothes Project, welches in Tamil Nadu, Indien, lokalisiert ist. Die Farbpallette umfasst viele unterschiedliche, mit Naturfarben schonend gefärbte, Töne. Vom hellblauen Indigo über Abstufungen von Indian Forest bis zum klassischen Schwarz. Die Farbwelten werden von Batik- und indisch inspirierten Designs komplettiert. Ganz wundervoll.

Industry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Das Besondere an IOAN™ sind aber nicht nur diese fantastischen Basics, sondern auch die vielen Projekte, die das Label initiiert und durchführt. Durch IOAN Batik und das Clean Clothes Project oder die Produktion der schicken Kenyatas Sneakers im Herzen Mombasas werden Projekte mit der Bevölkerung vor Ort in sozialverträglichem Umfeld durchgeführt und viele Dinge, die in der konventionellen Modeproduktion schief gehen, besser und nachhaltiger gestaltet.

Industry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOAN

Industry of all Nations sind – wie mir auch Lars bestätigte – noch ein richtiger Geheimtipp. Die Oberteile sind ab 60 Euro zu erstehen, die Shirts liegen bei 135 Euro und die Shorts in verschiedenen Farben bei glatt 100 Euro. Checkt dafür am besten den IOAN™-Webshop.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: Label   |   1 Kommentar

15 Okt, 2014

Fasermarktreports

Textilfasermarkt 2013

Der globale Fasermarkt ist in Bewegung. Wie schon seit vielen Jahren wachsen die Anteile von synthetischen (erdölbasierten) und Cellulosefasern zulasten von Naturfasern wie Baumwolle und Wolle. Ökomodepionier_innen hätten diesen Trend wohl generell für problematisch gehalten und zugleich daraus ihre Daseinsberechtigung abgeleitet. Heute verändern wissenschaftliche Studien und Ökobilanzen die Sichtweise auf die Entwicklung. So manche Cellulosefasern und auch recycelte Synthetikfasern schneiden ökologisch besser ab als Naturfasern, zumindest wenn letztere nicht biologisch angebaut wurden (wir berichteten).

Die Fasermarktstudien von Textile Exchange (TE) betrachten den gesamten globalen Textilmarkt, also sowohl Bekleidungs- als auch Haushalts- und Wohntextilien. Dennoch passen die Zahlen zu dem, was sich in den großen Modehäusern und Handelsketten beobachten lässt. Polyester und Nylon beherrschen das Angebot. Insgesamt sind erdölbasierte Fasern für knapp 62 Prozent des globalen Faservolumens verantwortlich.

Baumwolle kommt an zweiter Stelle noch auf gut 30 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 % gegenüber dem Vorjahr. Bei Bio-Baumwolle liegt der Rückgang laut TE sogar bei 21 Prozent. Zugleich hat der Umsatz mit Bio-Baumwolle um rund 30 Prozent zugenommen. Was auf den ersten Blick wiedersprüchlich wirkt, erklärt sich durch den Abbau eines großen Angebotsüberhangs, der Baumwollbauern in der Vergangenheit dazu zwang, ihre Bio-Baumwolle als konventionelle Baumwolle zu verkaufen.

Dennoch ist selbst in den grünen Conceptstores nicht zu übersehen, dass Baumwolle (hier dann aus Bio-Anbau) zumindest in den Damensortimenten durch grüne Cellulosefasern wie Lyocell (Tencel) und Modal Edelweiß zurückgedrängt wird. Hauptgrund sind hier die fießenden, transparenten und oftmals leicht gläzenden Qualitäten, die sonst nur mit wesentlich teurerer Seide erreicht werden können. Im konventionellen Handel wird das Bild durch Polyester, Nylon und Viskose bestimmt. Alle 3 sind deutlich billiger als konventionelle Baumwolle und auch als grüne Regeneratfasern wie Tencel, Monocel oder Modal Edelweiß.

Der Anteil von Bio-Baumwolle am globalen Baumwollangebot liegt übrigens derzeit bei ca. 0,5 Prozent. Die gerne als “nachhaltige Baumwolle” vermarkteten Anbaukonzepte Better Cotton Initiative (BCI) und Cotton made in Africa (CmiA) kommen hingegen bereits bei 0,6 Prozent bzw. 2,3 Prozent. Bio-Baumwolle gerät damit auch im Segment der alternativen Anbausegmente unter einen gewissen Druck.

Am Gesamttextilmarkt nehmen Cellulosefasern, zu denen sowohl konventionelle Viskosen als auch Lyocell (Tencel, Monocel) zählen mit 6,8 Prozent den drittren Rang ein, verzeichnen jedoch das stärkste Wachstum. Wolle kommt immerhin noch auf 1,3 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Studie Jahrensvolumen misst und Wolle natürlich sehr saisonlastig ist. Zugleich sind Wollpullover, die zumindest überwiegend wirklich aus Wolle bestehen, im konventionellen Handel eine Seltenheit geworden. Die höheren Anteile liegen hier auch auf Produktebene meist bei Acryl, Polyester und Viskose.

Wie immer enthalten die TE-Studien auch Rankings der größten Verwender verschiedener Fasern. Im “Preffered Fibre Report” erstmals dabei auch eine Top-5 für recyceltes Polyester. Nike führt hier vor Puma, h&m, G-Star und Prana. Eine sehr weite Verbreitung hat inzwischen auch Tencel gefunden. Zu den Top-Verbrauchern dieser Regeneratfaser zählen neben h&m auch Uniqlo, die Inditex Gruppe (Zara und weitere), Gap und Levi’s. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Tencel diesen Breitenerfolg weniger nachhaligkeitsbezogenen Erwägungen der großen Textiler verdankt, sondern die spezifischen technischen Eigenschaften sowie der gesunkene Preis die Hauptgründe der verstärkten Verwendung sind.

Die Executive Summeries der hier zusammengefassten Studien 2013 Organic Cotton Report und 2013 Preferred Fibers Market Report können bei Textile Exchange kostenlos heruntergeladen werden. Neben mehr Zahlen zur Marktentwicklung enthält der “Preferred Fibres Report” zwei spannende Tabellen, in denen zum Einen verschiedene Baumwollanbaukonzepte und zum Anderen eine große Zahl verschiedenster Kunstfasern verglichen werden.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   1 Kommentar

stitched-up

Eine Rezension von Michael Pollok

Mode, in all ihren facettenreichen Variationen, hat etwas Herrliches und Bezauberndes. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber eine mindestens genauso furchtbare und grausame Realität. Tansy Hoskins Buch ist ein kritisches Manifest, das genau hier ansetzt: Es ist keine Absage an die Schönheit und Kreativität, die in jedem Kleidungsstück steckt, sondern das Plädoyer gegen ein globales System, das auf allen Ebenen des sozialen Reproduktionsprozesses Menschen ausbeutet und diese für ökonomischen Interessen ausnutzt.

Die effektivsten Unterdrücker seien hierbei genau diejenigen, die es schaffen, ihre Untergeordneten dazu zu bringen sie zu lieben, zu begehren und sich mit ihrer Macht zu identifizieren. Mode nutzt genau diese Logik und verwehrt denjenigen an Schönheit und Kreativität teilzuhaben, die in mühevoller, aufzehrender Handarbeit, Tag für Tag auf den Baumwollfeldern und in den Nähfabriken dafür sorgen kleine Kunstwerke zu Minimalpreisen in unsere Läden zu liefern. In ihrem mitreißenden Buch führt Hoskins die Leser in die Untiefen einer Produktionswelt, die nur auf Profit aus ist und von einigen wenigen, transnational agierenden Unternehmen kontrolliert wird. Welche menschenverachtenden Praktiken dabei enthüllt werden dreht sogar gut informierten Modekenner_innen den Magen um und lässt die Mystique der Mode schnell verblassen.

Ständig kommt man ins Grübeln wie eigentlich dieser Pullover hergestellt wurde an den sich die beim Lesen immer wieder aufkommende Gänsehaut schmiegt. Dabei hört Hoskins nicht bei den ausgebeuteten Textilarbeiter_innen in den Produktionsländern auf, sondern erweitert ihre detaillierte Analyse auf die immense Ausbeutung der Natur- und Tierwelt und lenkt dann auch den Blick auf die vermeintlichen Ausbeuter – nämlich uns: die privilegierten Konsument_innen, die den Sinn verloren haben für Qualität, die sich täuschen lassen von großen Marketing-Kampagnen und Models, die sich bis in den Hungertot treiben und an den sexistischen und rassistischen Modeidealen zu Grunde gehen. Mode also als akribisch organisierte Ausbeutungsindustrie, die alle Lebenswelten weltweit vereinnahmt.

Und nun? In den letzten drei Kapiteln macht Hoskins Hoffnung auf eine alternative Realität und zeigt Perspektiven von Widerstand, Reform und Revolution. Hier wird schnell klar, dass sie mehr von uns fordert als zum Beispiel den Konsum ethischer Mode als Symptonbekämpfung eines defizitären kapitalistischen Systems. Wie könne man auch die Lösung für alle Probleme in der Ursache dieser finden? Doch wie kann man dieses menschenverachtende System umgehen? Hoskins fordert nicht weniger als eine radikale Demokratisierung von Mode: kleine Kooperativen in denen die Kleidung selbstbestimmt und unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird, unabhängige Designer_innen, aber auch Konsument_innen, die selbst zu kreativen Produzent_innen ihres Lebensstils werden. Nur so könne der Übergang von einer alles verzehrenden Fast-Fashion Mentalität hin zu selbstbestimmten Individualismus geschaffen werden, der nicht auf die Ausbeutung anderer angewiesen ist.

Hoskins Buch ist ein bedeutender und wichtiger Beitrag beim Nachdenken darüber, wie Mode sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet werden kann. Nach dem Lesen der letzten Seite ist es eben nicht eines der Bücher, die man resigniert und frustriert beiseitelegt, weil die Probleme sowieso zu groß scheinen oder man keine Lust auf einen weiteren Kauf-dich-nachhaltig-und-glücklich-Guide hat. Hoskins macht Mut und Lust selbst Vertreter_in eines eigenen individuellen Lebensstils zu sein und nicht mehr passive/r Konsument_in. Auch wenn viele Fragen offen bleiben ist das Buch doch eine Grundlage darüber zu reflektieren, wie wir gemeinsam aktiver, demokratischer und freier werden können und dabei das schätzen was wir und was andere dafür tun können aus dieser Welt einen offeneren, schöneren, traumhafteren Ort zu machen. Jede Praxis der politischen Emanzipation – und das gilt auch in der Mode, die nachhaltig sein will – beinhaltet auch immer die schwierigste Form der Befreiung, nämlich uns selbst von uns selbst. Prädikat: absolut lesenswert!

Stitched Up: The Anti-Capitalist Book of Fashion  von Tansy E. Hoskins ist erschienen bei Pluto Press.

     
 Michael Pollok   Michael Pollok ist seit Januar 2012 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Nachhaltige Entwicklung am Institut für Politikwissenschaft Münster und interessiert sich für Perspektiven einer nachhaltigen Politischen Ökonomie von Mode. Er macht derzeit ein Praktikum bei gruene wiese in Münster.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   1 Kommentar

IMG_20141004_122859

Wenn irgendein Kleidungsstück ein Öko-Tuning verdient hat, dann Jeans. Einfach, weil Jeans ein Massenprodukt sind und jährlich zwei Milliarden Stück davon gefertigt werden. Allein die Deutschen kaufen jährlich über 100 Millionen Paar jeas, die im Schnitt 30 Euro kosten, obwohl auch Preise jenseits von 200 Euro werden bezahlt, wenn der Hintern in der Jeans knackig sitzt.  Heute gelten die Bluejeans aber erst als tragbar, wenn sie mühselig entstellt sind und so aussehen, als seien sie schon jahrelang getragen. Jeans müssen eine wilde Geschichte erzählen – und echtes Leben vortäuschen. Ohne künstlichen Vintage-Effekt sind sie eigentlich unverkäuflich. Den Used- oder Destroyed-Look machen viel Wasser und Chemie möglich und sorgen für eine schlechte Ökobilanz. Rund 7.000 Liter werden benötigt für eine herkömmliche Jeans. Das ist zurückhaltend geschätzt, denn bereits der Anbau der Baumwolle schluckt immens viel Wasser. Von den Färbebädern in der Fertigung ganz zu schweigen.

 

Grund genug sich anzusehen, was hinter der neuen “Conscious Denim”-Kollektion von H&M steckt, die unter dem Motto “Go green – wear blue” IMG_20141004_122304seit einigen Tagen weltweit in den Läden hängt. Dachte ich jedenfalls, als ich erwartungsvoll in der Haupteinkaufsstraße von Athen den H&M-Flagshipstore betrat. Pustekuchen. Die IMG_20141004_122323Conscious-Kunden vermutet H&M wohl eher woanders. In Hamburg bin ich dagegen sofort fündig geworden, obwohl die kleinen Größen schon nahezu alle ausverkauft waren. Der Andrang war unglaublich groß, kaum einer war in der Umkleidekabine ohne einen Jeans-Overall, eine Reiterhosen-Jeans oder ein gesteppte Jeans-Bomberjacke aus der Kollektion.  In der Herrenabteilung sah es ähnlich aus, bei Preisen um 39 Euro für Jeans oder Jacke oder Rock kein Wunder.

Alle Teile kommen in satten tiefblauen Indigo-Tönen daher, sind aus Biobaumwolle, recycelter Baumwolle (aus der H&M-Sammelaktion/bis 20Prozent-Recyclinganteil) oder Tencel. Der Jeans-Jumpsuit aus dem seidig fallenden Tencel wirkt deshalb so wenig jeansig, dass ich ihn sofort wieder weg gehängt habe, bei den Jeans hing mir der Schritt viel zu tief zwischen den Knien und der Mantel ohne Knöpfe, nur mit Gürtel changiert so ein bisschen zwischen Darth-Vader-Look und Bademantel (siehe Bild oben).

Aber bevor ich mich wieder weiter so anhöre wie das gestrenge Fräulein Rottenmeier aus “Heidi” – das Jeanshemd, die lange Strickjacke und der gesteppte Blouson sind top, ebenso wie die Herren-Jacke im Worker-Style. Schließlich waren Jeans mal robuste Arbeiterkleidung, bevor ihnen dann die Langlebigkeit und die Funktionalität abhanden kam und sie zum Fast-Fashion-Item wurden.

 

Aber was ist nun öko an der Kollektion außer den Rohstoffen? H&M hat mit den Waschungen experimentiert und bei der Wahl des Partners gutes Gespür bewiesen, denn sie kooperieren mit dem spanischen Denim-Spezialisten Jeanologia – Vorreiter der Entwicklung von natürlicheren Wasch- und Finishing-Techniken wie Ozonbleiche oder Lasertechnologie. H&M gibt an, 56 Prozent weniger Wasser und 58 Prozent weniger Energie als bei anderen Jeans gebraucht zu haben. Jeanologia selber spricht bei einer Ladung von 100 Kilogramm in einer Ozonmaschine (sieht aus wie eine riesige Waschmaschine) von bis zu 62 Prozent weniger Energie, 67 Prozent weniger Wasser und 85 Prozent weniger Chemikalien. Das ist wichtig, denn gebleicht wird sonst mit ätzendem Chemikalien wie Chlor und zusätzlich hochgiftiges Kaliumpermanganat aufgesprüht. Einige von euch haben vielleicht kürzlich bei der Talkshow “Hart, aber fair” zugeschaut. Der Einspieler mit den Bildern aus den Jeansfabriken in China hat mich wirklich erschreckt (ansonsten reißen diese Einspieler jede gerade gestartete Diskussion aus einander!). Für die Conscious-Kollektion hat H&M Ozonbleiche ausprobiert, Lasertechnik nicht. Dennoch sind die Jeans ein Fortschritt in puncto Ökologie, denn die Waschungen sind kritischer Punkt auch bei anderen Ökojeans.

Wer eine Jeans-Kollektion sehen will, die gewünschte Optiken mit Laser herstellt, kann jetzt zu Hess Natur gehen. Marina Chahboune, CSR-Managerin und Jeans-Spezialistin der Butzbacher Ökofirma hat ihre erste Kollektion im Laden hängen, in der Muster mit Laser ins Beinkleid gebrannt wurden. Die Jeans für über 100 Euro habe ich gekauft, weil parallel auf faire Arbeitsbedingungen geachtet wurden. Denn eine Ökojeans, die ein Maximum an Ökologie bietet, aber nur ein Minimum an Ethik, ist eigentlich Etikettenschwindel. Die Jeans habe ich auch bei “Hart, aber fair” getragen – aber mich dann doch nicht getraut auf dem Tisch zu tanzen, damit man sie sieht……

Marina wird es mir verzeihen.  Marina, die selbst bloggt - auch bei uns auf Grüne Mode, hat mich zudem heldinnenhaft bei einem Artikel beraten, der im aktuellen Männer-Magazin “Manual” IMG_20141004_122818von Gruner&Jahr erschienen ist und die dunklen Seiten des Denim beschreibt. Schwerpunkt des Heftes ist Jeans-Produktion.

Außer am Kiosk gibt es das Magazin gratis in der Herren-Abteilung von H&M (an der Kasse), denn H&M hat zum Start ihrer Conscious-Kollektion einen Teil der Auflage gekauft. Guckt doch mal rein und schreibt, was ihr vom Jeans-Schwerpunkt haltet.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir arbeiten an einer internationalen Laden-Liste. Deutschland, Österreich und Schweiz haben wir komplett, nun weiten wir unsere Recherche aus. Wer Tipps hat, was wir aufnehmen sollten, kann sich gerne bei uns melden.

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News   |   Keine Kommentare

gruenelistenbutton