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Foto: Premium Exhibition (Dorothea Tuch)

 

Auf der Premium hatte ich viel zu wenig Zeit und habe daher nur drei Labels anschauen können. Armedangels setzt die Entwicklung der beiden letzten Saisons fort. Die Damenkollektion wird deutlich modischer und weniger sportlich. Raffinierte Schnittführungen plus feine Tencel- sowie Modal-Edelweiß-Stoffe ergeben schöne sommerliche Kleider, Blusen und Tops von bürotauglich bis cluborientiert. Die luftigleichten, teiweilse transparenten Stoffe füllen eine Lücke in der grünen Damenmode, in der solche Teile bisher nur aus Seide und damit sowohl hochpreisiger als auch nicht vegan möglich waren. Neben feinen floralen Mustern (siehe Foto rechts) sind auch viele einfarbige Varianten dabei. Bedruckte Leinen-Baumwolljerseys sind eine weitere tolle Sommerqualität. Bei den Jungs bleibt es etwas sportlicher, aber auch hier mit fashionorientierten Mustern und schönem neuen Feinstrick.

Weiter zu Wunderwerk. Die Düsseldorfer eröffnen am Wochenende ihren ersten eigenen Laden. Natürlich in Düsseldorf und zwar in Flingern in der Ackerstraße 133. Auf der Premiumwunderwerk_sweater-mit-spitze präsentierten sie sich direkt am Hauptgang (im Foto oben vorne rechts). Sehr gefreut habe ich mich, dass es Heiko Wunder gelungen ist, nun auch die Spitze, die sie schon in diesem Sommer bei einigen Sweatern als Besatz eingesetzt haben, in Organic zu bekommen. Bei Kleidern und Blusentops setzt auch Wunderwerk stark auf Tencel- und Modal-Edelweißqualitäten. Sehr gut gefallen haben mir auch verschiedene Fein- und Grobstrickpullover sowie die cleanen Blusen und Hemden mit modernem und bürotauglichem Schnitt.

Kurz vor Tagesschluss habe ich dann auch noch einen Blick auf Les Racines du Ciel erhaschen lesracines_leinenstrickkönnen. Auch deren Kollektion ist deutlich größer und Variantenreicher geworden. Wie gehabt gibt es sehr edle Jerseykleider und Tops, darunter eines mit Wasserfallausschnitt, das sich schon seit mehreren Saisons sehr großer Beliebtheit bei vielen Kundinnen erfreut. Neu sind mehrere Leinenkleider mit gewohnt klarer, femininer Schnittführung. Wunderbar für heiße Sommer wie diesen ist der luftige Leinenstrick, den es als Top, Kleid, Pullover und Cardigan gibt.

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Bereits zum 10. Mal luden Innatex, Ethical Fashion Show und Green Showroom gemeinsam zum großen Branchen-Networking ins Umspannwerk Kreuzberg. Trotz Fußball war die GreenLounge wieder sehr gut Besucht. Über 500 Gäste – darunter Designer, Textilproduzenten, Label- und Shop-Inhaber, Vertreter von NGOs und Politik – feierten bei öko-fairen Drinks und italienischen Bio-Spezialitäten bis weit in die Nacht. Jede Menge Fotos zum Event findet ihr hier.

Obwohl ich volle 3 Tage in Berlin war, habe ich sehr viele grüne Labels nicht besuchen können. Ich war nicht im Green Showroom und auch weder auf der Panorama noch auf der Show&Order, wo ebenfalls einige grüne Labels ausgestellt haben (siehe auch unser FashionWeek Green Guide). Ein ganz besonders spannendes Projekt aus dem Green Showroom stellt Marina Chaboune euch auf ihrem eigenen Blog “Beyond Fashion” vor.

Es gibt einfach zu viele Messen und sie sind zu weit verstreut. Aber die Berliner Messelandschaft ist im Wandel. Das hat sicher auch etwas mit dem Wandel der Textilwirtschaft zu tun. Viele Big Brands von der Bread&Butter setzen inzwischen stark auf eigene Stores sowie eigenen Onlinevertrieb. Das macht sie für Einzelhändler weniger attraktiv und ist vielleicht ein Grund, warum diese nicht mehr in Massen in den Tempelhof strömten. Schön zu sehen, dass die grünen Messen dagegen an Anziehungskraft gewinnen. Für die nächste FashionWeek wünsche ich mir noch mehr grüne Labels an einem Ort. Da soll ja im Januar 2015 so ein ehemaliger Flughafen frei sein…

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Die progressivere, jüngere Schwester der Premium – die SEEK – war sehr gut besucht. In unserem Green Guide hatten wir nur Veja aus Frankreich gelistet, doch es gab noch einiges mehr zu entdecken.

Das beliebte FairTrade Sneaker veja_runnerss15Brand glänzte diesmal vor allem durch neue Materialien. Recycling-Polyester-Mesh ermöglicht eine technischere Sneaker-Ästhetik (Foto rechts). Ein grober Leinen-Webstoff bildet einen interessanten Kontrast zu klaren Formen. Ein neues Runner-Modell ergänzt das Angebot im Bereich der derzeit wohl verbreitetsten Streetfashion-Schuhform und sorgt für mehr Alternativen zu Nike und New Balance, die gerade extrem erfolgreich in diesem Segment sind.

 

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Beigestert hat mich die neue, feinere Serie vom schwedischen Traditionshersteller Kavat. Sandalen, Halbschuh und Slipper mit feiner Ledersohle und absolut bürotauglich. Echtes Kontrastprogramm zu den derberen Boots der bekannten Standardkollektion und eine echte Bereicherung im immer noch sehr schmalen Angebot moderner, pflanzlich gegerbter Lederschuhe.

Selbiges gilt auch für die Sandalen von LEVIT, die ich ebenfalls auf der SEEK entdeckte. Nur 2 Modelle, beide unisex und jeweils in 3 Farbvarianten. Sehr hochwertige europäische Verarbeitung und tolle Form. Für grüne HighFashion-Stores sicher interessant.

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Ähnliche fokussiert auf wenige Produkte ist das Angebot von Simon&Me. Es gibt ein edles Basic-Shirt mit sehr schöner Schnittführung im Rückteil in schwarz und weiß. Dazu ein Kamm, ein Armreif, Rasiercreme, ein Kompass, 2 Handtaschen. Das wars. Hier geht es nicht um Trends und Masse, sondern Fokus und Perfektion.

Schon länger auf der SEEK dabei und mit zunehmendem ökologischen Materialanteil ist der Taschenhersteller QWSTION aus der Schweiz. Bio-Baumwoll-Canvas, chromfreigegerbtes Leder und Recycling-Polyester finden Verwendung für die modern-minimalistischen und dabei hochfunktionalen Designs. Schon länger begeistert bin ich auch von den Rucksäcken von Cote&Ciel. Neben dem mit Designawards ausgezeichneten City-Rucksack “Isar” haben die Franzosen inzwischen eine ansehnliche Kollektion an Taschen und Accessoires entwickelt. Bei Cote&Ciel ist allerdings nur ein kleinerer Teil der Modelle aus Bio-Baumwolle oder Recycling-Polyester erhältlich.

Turnussmäßig habe ich auch bei Misericordia vorbeigeschaut, deren Kollektion zu den Spannendsten zählt, die ich mir während der FashionWeek angeschaut habe. Leider sind die haptisch wie optisch großartigen Stoffe und Strickqulitäten bis auf einige Jersey-T-Shirt nicht “organic”. Misericordia versucht möglichst alle Materialien direkt im Produktionsland Peru zu beziehen und hat dabei wohl Schwierigkeiten diese in Bioqualität zu bekommen. Solche Materialien, wie sie sie inzwischen verwenden, wären jedoch wohl auch global nicht leicht in “Bio” zu finden. Sozial ist Misericordia ein vorbildliches Projekt. Ich wünsche ihnen, dass sie so wachsen, dass sie ihre Materialien eines Tages selbst in ökologischen Varianten produzieren können.

Leider verpasst habe ich auf der SEEK die Podiumsdiskussion “Design 2.0.: A Discussion what modern Design is today”, unter anderem mit Friederike von Wedel-Parlow (Professor MA Sustainability in Fashion at Esmod Berlin) und Simon Freund (Simon & Me). Wie mir Friederike später erzählte, konnte sie erfolgreich Nachhaltigkeit zum Hauptthema der Veranstaltung machen. Überhaupt dreht sich auf der SEEK viel um Qualität, klassische und oft durchaus zeitlose Designs mit modernem Twist und vieles ist made in Europe oder made in USA. Grün hingegen hat bisher keinen großen Stellenwert, dabei wären Preisklasse und Zielpublikum dafür durchaus geeignet.

Das gilt auch für die andere progressive Streetfashion-Messe “Capsule”. Erstmals präsentierte sich Bleed dort zwischen jeder Menge angesagter erwachsener Streetwear und Urban Design Brands. Die Kollektion der Boardsports-verwurzelten Bayern ist cleaner und erwachsener geworden, was zur Messe passte und mir auch sehr gut gefiel. Neben lockeren Sweat- und Strickpullovern sowie schönen Shirts sind gemusterte Leinen-Hemden und vor allem auch 2 technische Jacken mit PFC-freier Membran und Imprägnierung die Highlights.

Schon länger auf der Capsule dabei ist A aquestionof_seekSS15Question of. Die Copenhagener sind sicherlich eines der progressivsten Brands mit Bekenntnis zu ökologischer und fairer Produktion. Diesmal stechen vor allem goldene Prints heraus, die mich ein bisschen an Gangster-Hip-Hop-Mode der 90er erinnert haben (Foto rechts). Stark ist A Question of immer auch in digital bedruckten Stoffen, bei denen sich ein Fotomotiv in wiederholender Anordnung zu faszinierenden Mustern zusammenfügt. Leider sind genau diese Teile und in dieser Kollektion auch noch eine Reihe Weitere aus frischem Polyester gefertigt. Die Begründung recyceltes Polyester sei nicht sauber genug und verbrauche zu viel Ressourcen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Alle mir bekannten Lebenszyklusanalysen sagen etwas anderes.

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Auch auf der Capsule habe ich dann noch ein grünes Label entdeckt, dass ich zuvor nicht kannte. Eve&Adis fertigen Taschen und Rucksäcke aus Bio-Canvas, regionalem, pflanzlich gegerbtem Bio-Leder und Kork. Alle Modelle gibt es sowohl in veganer Bio-Canvas-Kork-Variante als auch mit Leder. Letzteres bezieht das Designerpaar direkt von einem Biohof in ihrer der Nähe und auch die pflanzliche Gerbung erfolgt lokal.  Sehr schick fand ich zudem die Armbänder und Ketten aus Messingmuttern, die mir jedoch nicht recycelt schienen.

Das war es dann auch mit Grün auf der Capsule. Im Vergleich der beiden kleineren Messen hatte die SEEK deutlich mehr zu bieten. Auf Grund der sehr ähnlichen Ausrichtung bin ich gespannt, wie lange sich beide Messen parallel halten können und wie sich das Thema grüne Mode auf ihnen entwickelt.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Aufgehalten durch einen widerspenstigen Fahrkartenautomaten habe ich die offizielle Eröffnung der Ethical Fashion Show (EFS) verpasst. Mit dabei dieses Mal Schauspielerin Inez Bjørg David, die seit 2013 einen Green Fashion Store (miwai) in Berlin betreibt. Wer wie ich der Generation Soap angehört erinnert sich vielleicht. Von 2003 bis 2006 spielte sie in “Verbotene Liebe” mit.

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Gleich zu Beginn gab es ein Highlight im Rahmenprogramm. Safia Minney, Gründerin des FairTrade-Fashionpioniers PeopleTree hielt einen Fashion Talk zum Unterschied zwischen ethischer und Fairtrade Mode. In der vollbesetzten Warte des früheren Elektrizitätswerkes (großartiger Raum!!!) präsentierte Safia die Werte ihres Unternehmens und ihre Vorstellungen von einer fairen und nachhaltigeren Textilproduktion. Ein inspirierender und begeisternder Auftakt. Kirsten nutzte die Gelegenheit zu einem Interview im Anschluss an den Talk, das ihr hier nachlesen könnt.

Erstmals stellte PeopleTree seine Kollektion auch auf der EFS vor. Neben vielen Kleidern mit frischen Mustern, für die PeopleTree bekannt ist, finden sich diesmal auch mehr reduziertere Designs mit raffinierte Schnittführungen in der Kollektion. Besonders gefallen haben mir neue Melange-Jersey-Qualitäten sowie moderne schlichte Blusen und ein toller Sommerparka. Cardigans in unterschiedlichsten Varianten lassen sich perfekt mit dem wohl größten und vielfälltigsten Kleiderangebot der FairTrade Fashion Branche kombinieren.

Während PeopleTree sich parallel auch lherbe-rouge_tencel-transparentnoch auf der Premium präsentierte, ist L’herbe Rouge komplett zur EFS gewechselt. Designerin Arielle Levy legt viel Wert auf maximale Kombinierbarkeit und klare Designsprache. Die Oberteile und Kleider sind locker geschnitten. Zum Einsatz kommen strukturierter Tencel-Feinstrick und Tencel-Webstoffe, sodass die Formen fließen und viele Styles einen edlen leicht Glanz aufweisen. Besonders fasziniert hat mich dabei eine neue Tencel-Webqualität, leicht transparent und optisch wie habtisch sehr nah an Seide (siehe auch Foto rechts). Leichter Biobaumwoll- und Leinenstrick runden das Programm ab. Für mich die modernste Kollektion auf dieser Messe.

Mit Lanius und Goodsociety waren noch 2 weitere größere grüne Labels auf der wiederholt komplett ausgebuchten EFS vertreten. Sollte Karl-Heinz Müller mit seinen Bread&Butter-Plänen (Umzug nach Barcelona im Winter) diesmal Ernst machen, sehe ich hier Potential für weitere grüne Größen und größere Räumlichkeiten.

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Anders als die anderen Berliner Messen bieten EFS – und auch die Schwestermesse Green Showroom – auch Platz für kleine innovative Modestartups. So zum Beispiel auch Ahimsa (Foto oben) aus Brasilien. Während bei Schuhen noch allzu oft eine Abwägung zwischen vegan und ökologisch getroffen werden muss, setzt Ahimsa beides konsequent um. Die Obermaterialien bestehen vorrangig aus Bio-Baumwolle, bei einigen Modellen auch aus Recyclinkunstleder. Produziert werden die Sneaker und Casual Shoes in einer eigenen Produktionsstädte mit laut Gründer Gabriel Silva europäischen Arbeitszeiten und übertariflichen Löhnen. Bisher verkaufte Ahimsa seine Schuhe übrigens nur in Brasilien selbst und insbesondere an die auch dort wohl stark wachsende vegane Bewegung.

Nur 2 Stände weiter feierte Pure Green aus pure-green_fabricBarcelona Messepremiere. Das spanische Label hat in Zusammenarbeit mit der Universität ein besonderes Mix-Material entwickelt, das nicht nur eine schöne Struktur aufweist, sondern sich auch wunderbar leicht und seidig anfühlt. Das Material besteht aus Hanf, Seide, Bio-Baumwolle und Modal. Dabei wird versucht den Anteil an Bio-Baumwolle klein zu halten und langfristig sogar komplett durch Hanf zu ersetzen, der lokal bezogen wird.

Während es auf vielen konventionellen Messen diesmal für die jeweiligen Verhältnisse recht leer war, wurde die EFS auch bei dieser Ausgabe erneut stärker besucht als zuvor. Gut angenommen wurde auch das umfangreiche Rahmenprogramm, das verschiendenste Aspekte ethischer Mode beleuchtet hat. Leider verpasst habe ich das Create Green Frühstück zum Thema “Ein einheitliches Textilsiegel für soziale und ökologische Kriterien?”. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Heike Scheuer vom IVN, die mich im Anschluss auf den neusten Stand in Sachen Siegel-Diskussion gebracht hat.

Mit dem starken Rahmenprogramm gewinnt die EFS auch als Informations- und Networking-Plattform der grünen Modebranche immer mehr an Bedeutung. Gerade auch die staatliche Initiative um Entwicklungsminister Müller zeigt, dass die Branche sich dringend auch politisch für ihre Anliegen stark machen sollte.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Wohin steuert das Messe-Schlachtschiff? Foto: @breadandbutter.com (Toni Kretschmer)

 

Die “Bread&Butter” gilt als Motor der Berliner Modewoche. Doch nun hat Karl-Heinz Müller beschlossen, zumindest für den Winter nach Barcelona zu entschwinden. Den Schauplatz zu wechseln, ist für diese Streetstyle-Messe nur konsequent, denn sie verkauft vor allem das Lebensgefühl des schnellen Wandels an ihre Kunden. Für die wenigen ökologisch orientierten Aussteller auf der B&B wie Kuyichi, Koi, Knowledge Cotton oder Nudie findet sich auch auf einer anderen der Berliner Messen ein passender Platz. Warum die Nähe zu Jeansriesen und Massendesign zwingend ist, habe ich ohnehin nie verstanden.

Allerdings habe ich mir ein kurzes Gedankenspiel gegönnt und fantasiert, wohin der grüne Teil der Berliner Modewoche wohl ziehen könnte. Osteuropa vielleicht, eine der kommenden Städte wie Sarajewo? Aber die Wahrheit ist, dass ein ökologisches Gewissen sich nicht so leicht verpflanzen lässt. Und so passt Grün nach Berlin.

Ihre beste Zeit scheint die Bread&Butter ohnehin hinter sich zu haben – es war eher leer. Dafür hatten die grünen Label sich fein gemacht.

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Richtig “Klick” gemacht hat es bei Kuyichi. Nicht nur, dass die Sommer-Kollektion 2015 vom Design überzeugt, es war deutlich zu spüren, dass Kuyichi das zwischenzeitliche Mexx-Management-Tief überwunden hat und nun zu ihrem Kernprinzipien zurück gekehrt ist (“We see it as our mission. Now and in the future”). Das darf die grüne Händler-Szene, die ordentlich violetDruck auf Kuyichi gemacht hat, getrost auch als ihren Erfolg verbuchen.  Die Teile, die wie das Shirt Violet (im Bild rechts, gibt es in drei Farben!), GOTS und Fairtrade-zertifiziert sind, gefielen mir besonders gut. Topseller ist laut Auskunft von Kuyichi aber das ärmellose Jeans-Kleid “Elvira” (Foto oben) oder die army-grüne Hemdbluse “Birdy” aus Tencel.  Anders als anderen Denim-Brands gelingen Kuyichi nicht nur die Jeans, sondern auch die Oberteile gut. Außerdem sind die Sachen erschwinglich.

KOI hat mich dagegen enttäuscht, bis auf einen Jeans-Jumpsuit, der mit einer grob gestrickten Jacke drüber auch für kältere Tage taugt und damit für das ganze Jahr, gab es keine lässigen Looks bei den Oberteilen. Dafür aber ein erneut erweitertes solides Jeansangebot.

Was Oberteile angeht, hat mich ausgerechnet eine Mainstream-Marke überzeugt, die seit Jahren eine kleine, aber erfrischende Organic-Kollektion macht: Marc 0`Polo. Deren neues Gesicht ist die schlacksige Schauspielerin Uma Thurmann, was zu Oversized-Parka und Overize-Strickmäntel im Kimono-Stil passt. Schmale, lange Oberteile gewinnen dort  an Bedeutung. Aufsteiger bei Marc 0´Polo organic bleiben weiter die Blusen, oft mit Druck, die auch in meinem Kleiderschrank hängen.

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Weiter zu Knowledge Cotton, deren Anzug und Jacket-Armada sich sehen lassen kann. War es früher schwer, ein ordentliches Jackett zu finden, hat sich das mit diesem Angebot nun gelöst. Überhaupt hat Knowledge Cotton Extra-Pieces, die nicht an jeder Ecke zu finden sind. Viele der Herren-Sachen sind übrigens auch für Frauen gut tragbar – diesmal etwa ein blauer Sweater mit einem feinen Muster, dass an ein Nicki-Tuch erinnerte. Und das Hawai-Hemd der nächsten Sommer-Kollektion ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber sicher ein Hingucker. Insgesamt eine vielschichtige Kollektion.

Meine letzte Station auf der B&B war Nudie, die im Januar ihren ersten Berlin-Store eröffnet haben und dort auch ihren berühmten Gratis-Repair-Service für Jeans anbieten. So wie Schuhe mehrfach besohlt werden, sollen auch Jeans immer wieder geflickt werden.  Das wird so gut angenommen, dass es in Berlin drei Wochen dauert, bis man seine ausgebesserte Jeans wieder bekommt.  Man braucht also kein Geld, aber Geduld.

Bitte gestattet mir ein wenig Spott an dieser Stelle. Die Reparatur ist wirklich amateurhaft gemacht. So wenig wie der Fettfleck von Joseph Beuys ein Kunstwerk ist, so wenig bietet Nudie gute Flick-Kunst. Aber die Kunden scheint es nicht zu stören. Was die Jeans angeht, ist Nudie wieder blauer und dunkler geworden. Aber die dunklen, ungewaschenen Jeans sind einfach ökologischer als die mühsam aufgehellten. So gesehen ein guter Schritt. Schöne neue Shirts und Hemden haben die Schweden auch zu bieten. Anders als die Jeans sind die Oberteile aber wohl wirklich nur was für Männer.

Dieser Blog-Eintrag ist der Auftakt unser Nachberichterstattung zur Berlin Fashion Week – stay tuned, eco warriors!

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Foto: reenatje Creative Commons 2.0

Foto: reenatje, Creative Commons 2.0

Berlin is calling again. Nächste Woche ist wieder FashionWeek und wir versuchen euch einen Überblick über alle grünen Brands, Events und Shows zu geben. Die Berliner Messelandschaft ist weiterhin stark in Bewegung und fast auf jeder Messe finden sich auch ein paar grüne Brands. Auch die grünen Messen Ethical Fashion Show und Green Showroom verzeichnen wieder viele neue Erstaussteller. Wichtig! Der Green Showroom feiert seine 10. Ausgabe und zieht mit einem neuen Raum-Konzept zurück ins Hotel Adlon Kempinski.

Wie immer übernehmen wir keine Gewähr, dass alle gelisteten Marken auch wirklich so grün sind, wie sie oder die Messen es versprechen. Aber wir sind sicher, dass grüne Händler_innen jede Menge tolle Neuheiten geboten bekommen und damit die Auswahl in den Läden 2015 noch größer, schöner und vielfälltiger wird.

Allen Berlinreisenden eine gute Woche. Wir sehen uns auf der GreenLounge und sicher auch auf den Messen. Bis Berlin!

 

TRADESHOWS

ETHICAL FASHION SHOW
959 | Ahimsa | Airbox | Ajoofa | Alma & Lovis | Aluc | Antonio Verde | Armony by Lasalina & Par2 | Asquith | Ben Weide | Braintree | Cado | Canvas | Control Union | CUS | Cyclus | Design by Sonia | Elementum by Daniela Pais | Ethos Paris | Fair Wear Foundation | Feine Hüte | Format | Frajorden | Freshtex | Globe Hope | Goodsociety | GOTS | Göttin des Glücks | Grand Step Shoes / Airbox | Greenbomb | Greenlife | Harold´s | Hempage | Hirsch Natur | Indricka | Inheels | Interloom | Isendra Bags and Plus | IVN | John W. Shoes | Kancha | Komodo | L´Herbe Rouge | L-L-B | Lanius | Lavgon | Lebenskleidung | Lisa D Eco| Lotta | Madness | Mes Grigiris | Minga Berlin | Miss Green | Monika Schneiter | Mud Jeans | Myomy | Natural Cotton Color | Nicoletta Fasani | Nix | Nodova | Nurmi | O My Bag | Oat | Päälä | Papp-Up | Pearls Of Laya | People Tree | Pure | Pure Green Apparel | Ramblers Way Farm | Recolution | reWrap | Room to Roam | Sag + Sal | Sainst Basics | Sancro | Sapu | Sartoria Isamara | Sey Organic Jeans | Slowers | Studio Jux | The Hemp Line | Tu & Tu | Two-o | Ultrashoes | Umiwi | Vargu


GREEN SHOWROOM

Amalena Gold Jewelry | Austriandesign.at | Ayasse | Ben Weide | Birgit Sophie Metzger Hat Couture | Blond And Bieber | Blue Valley | Deepmello | Edelziege | Envido | Esmod & Hess Natur | Farrah Floyd | Gotsutsumu | Green Genaro Rivas | Inti Ferreira | Johanna Riplinger | Katrien Van Hecke | Lifegist | Lillika Eden | Lionel Morin | Living Blue | Maria Seifert Collections | Materia Prima | Mutare Design | Royal Blush | Sabine Feuerer | Silke Handley | Skrabak | Somyso | Steps On Green | Studio Elsien Gringhuis | Upmade By Reet Aus | Xess & Baba

 

PREMIUM EXHIBITIONS
Armedangels | Esther Perbandt | Haikure | Laidbacklondon | Les Racines du Ciel | Nine to five | People Tree | Post Diem | Raffauf Urban Outdoor Apparel | Simon Ese | Umasan | Wunderwerk


BREAD AND BUTTER

K.O.I Kings of Indigo | Knowledge Cotton | Kuyichi | Noble Project | Nudie Jeans


PANORAMA BERLIN

Lanius | Natural World | OC Outfitters Of Change | Think!


SHOW&ORDER

FTC Cashmere | Luxaa


CAPSULE BERLIN

A Question Of | Bleed


SEEK

Veja

 

SHOWROOMS

Please also check out these individual showrooms:

KULTPUR-FASHIONROOM
Macaronie | Maronski | SAG+SAL

HEAD & HEART
Tom Herz

 

EVENTS

TUESDAY 08.07.2014
Ethical Fashion Show - Offizielle Eröffnung mit  Inez Bjørg David (Schauspielerin, Gründerin des Eco Fashion Stores miwai) und Olaf Schmidt, Vice President Messe Frankfurt Exhibition, 10.00, ewerk
Ethical Fashion Show – Fashion Talk: Der Unterschied zwischen ethischer und Fairtrade Mode (auf Englisch) Safia Minney, Gründerin & CEO, People Tree, 11.00, ewerk
Ethical Fashion Show – Nachhaltigkeit in der Lieferkette: Worüber sollten Modefirmen berichten? Mark Starmanns, GET CHANGED! The Fair Fashion Network, Thomas Petruschke, BSD Consulting, Consultant (Fokus GRI) (auf Englisch), 12:30, ewerk
Ethical Fashion Show – Präsentation: Ist Nachhaltigkeit zertifizierbar? Standards aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Sicht. Hintergründe und konkrete Beispiele für Textilunternehmen. Claudia Kersten, Marketing Direktorin des GOTS und Heike Scheuer, IVN Geschäftsstelle (auf Deutsch), 14.00, ewerk
Ethical Fashion Show – Seminar WellMade: Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der textilen Lieferkette Sophie Koers, Head of Communications, Fair Wear Foundation (auf Englisch), 15.30, ewerk
Ethical Fashion Show – Nachhaltigkeit in der textilen Wertschöpfungskette, Marijke Schöttmer, Consultant bei Systain Consulting GmbH, 17.00, ewerk

Seek – Design 2.0.: A Discussion what modern Design is today (auf English) mit Jacob Brinck (Baerck), Ana Finel Honigman (Fashion Journalist New York Times, Vogue, Dazed & Confused), Simon Freund (Simon & Me), Friederike von Wedel-Parlow (Professor MA Sustainability in Fashion at Esmod Berlin)

Upcycling Fashion Store Berlin – Upcycling Fashion Roadmap Launch Party, 17.00, Anklamerstrasse 17

 


WEDNESDAY 09.07.2014
Green Showroom – Salonshow, 15.30, Hotel Adlon Kempinski (Ballsaal)
(Invitation only)

Lavera Showfloor
18.00 Uhr lavera Opening-Show: ViPs präsentieren Fashion, inspired by lavera
18.30 Uhr Newcomer Show: Danny Reinke – Hannover; Ramona Huppert – Hannover
19.30 Uhr Arrey Fashion – Berlin
21.00 Uhr Nikolay Bozhilov – Sofia

SHOWFLOORBERLIN
18.00 Uhr P.age

GreenLounge
Networking Event von Ethical Fashion Show Berlin, Green Showroom und Innatex, ab 18.00, Umspannwerk Kreuzberg (invitation only)

 

THURSDAY 10.07.2014
Ethical Fashion Show - Create Green Frühstück (Podiumsdiskussion): Ein einheitliches Textilsiegel für soziale und ökologische Kriterien? Mit Daniela Zehentner-Capell, Leiterin des Referats Globalisierung, Handel, Investition im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Claudia Kersten, Marketing Direktorin des GOTS, Marisa Przyklenk, Senior Product & Account Manager Non-Food Fairtrade, u.a. Moderation: Stefanie Hütz, freie Journalistin (auf Deutsch), 11.00, ewerk
Voranmeldung unter: fruehstueck@ethicalfashionshowberlin.com

Ethical Fashion Show – Seminar WellMade: Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der textilen Lieferkette Sophie Koers, Head of Communications, Fair Wear Foundation (auf Englisch), 13.00, ewerk
Ethical Fashion Show – Vortrag: Wie sehen nachhaltige Stoffe in Zukunft aus? Trends, Hoffnungen und Herausforderungen. Sophia Opperskalski, Gründerin und Inhaberin von interloom (auf Englisch), 14.30, ewerk
Ethical Fashion Show – Film: „The New Black“ – eine Dokumentation über die Zukunft der Mode, präsentiert von AEG. Drinks Reception im Anschluss, 16.00, ewerk

Lavera Showfloor
18.00 Uhr Aether Studios – Stockholm/London
19.30 Uhr Ivana Basilotta – London
21.00 Uhr UNEINS – Berlin/Helsinki
22.30 Uhr Hellen van Rees – Hengelo

SHOWFLOORBERLIN
18.00 Uhr NIX Berlin

 

FRIDAY 11.07.2014
Lavera Showfloor
17.00 Uhr Fabryan – London
18.30 Uhr David Andersen – Kopenhagen
20.00 Uhr Prophetik – Tennessee
21.30 Uhr lavera Trend Show Dennis Machts – Berlin

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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27 Jun, 2014

semiHAPPY

PHARRELL WILLIAMS Curates Collaboration Between BIONIC YARN and G-STAR Turning Ocean Plastic into Denim

Und gleich noch ein großer Jeanser, der die Welt retten möchte. Für den Clip zur “RAW for the Oceans”-Kampagne erhielt G-Star jüngst sogar den Werbefilmpreis von Cannes. Die eigentliche Kollektion wird erst ab Mitte August zu kaufen sein. Sie entstand in Zusammenarbeit mit BIONIC Yarn, einem Recyclingfaseranbieter, dessen Teilhaber und Creative Director Pop-Superstar Pharrell Williams ist.

Eigentlich doch ein Grund zur Freude, wenn ein Jeans-Gigant gemeinsam mit einem Pop-Giganten einem grünen Textilkonzept zu – zumindest für grüne Modedimensionen – ebenso gigantischer Aufmerksamtkeit verhilft. Und dann noch mit einem so schicken Clip. Ich bin trotzdem nur semiHAPPY. Und das, obwohl ich begeistert kreative Versionen des Happy-Videos angeschaut habe, Recycling super finde und auch das Design von G-Star durchaus mag.

Drei Dinge stören mich an dieser vermeintlich grünen Kollektion gewaltig. Erstens. Bionic-Yarn besteht “nur” zu 40 Prozent aus Recyclingmaterial. Ein Recyclinggarnkern wird mit einer frischen Faser ummantelt. Damit besteht das Garn zum größeren Teil aus einer – zumindest bei bisherigen Kollektionen – konventionellen Natur-, Regenerat- oder Erdölfaser. So ist der bei Bionic entstehende Fasermix selbst auf jeden Fall deutlich schlechter recycelbar als der Meeresmüll. Der stammt übrigens anders als das Video vermuten lässt gar nicht aus dem Meer, sondern wird am Strand gesammelt. Auch gut, aber weniger spektakulär. Und Oktopusse helfen auch nicht mit.

Zweitens. Gemessen an der ökologisch mäßigen Sinnhaftigkeit (40 Prozent Recyclingmaterial wird zu einem schlecht recycelbaren Modeprodukt) ist die Vermarktung völlig überdimonsioniert. Das Konzept lenkt zudem von den durch die Textilindustrie und auch G-Star selbst verursachten ökologischen Schäden ab. Vergiftete Böden beim Baumwollanbau, giftige Färbe- und Prozesschemie. Um diese Schäden zu verhindern gibt es markterprobte bekannte Konzepte (Bio- oder Recycling-Baumwolle, GOTS-Zertifizierung), doch diese nutzt G-Star nicht bzw. kaum. Nach recht hohem Bio-Baumwollanteil in 2013 gab es 2014 keine Organic Cotton Modelle mehr. Statt dessen tut man ganz in Replay-Manier so, als sei man auf der Seite der Umweltretter statt auf derer der Verschmutzer.

Drittens. Mal wieder komplett aussen vor bleiben die Näher_innen, denen es wenig nützt, dass der Stoff, den sie in viel zu langen Schichten für viel zu wenig Geld durch ihre Maschinen jagen, den Ocean ein kleines bisschen sauberer macht.

Am Ende also auch hier mehr Grünwäscherei als ernstzunehmender Schritt. Das ist Schade, denn der Clip ist wirklich gut und vor Allem ist Pharrell Williams genau der Typ Popicone, den die grüne Mode als Promoter gut gebrauchen könnte. Smart, modeaffin und jedem Jute-Klischee unverdächtig. Auch dass es ihm ernst ist mit dem Planeten nehme ich ihm ab. Wie schon bei Replay gilt die Kritik hier vorrangig dem Modekonzern und nicht den Partnern der Kampagnen.

Anders als Replay ist G-Star aber auch schon zuvor in Sachen Grün und Arbeitsbedingungen aktiv gewesen. Neben den erwähnten jedoch derzeit eingestellten Organic-Modellen hat G-Star das Greenpeace Detox Manifest unterzeichnet. Zudem sorgt das Unternehmen seit 2011 durch eine Mitgliedschaft bei made-by sowie jüngst auch einer eigenen Supply Chain Map für mehr Transparenz in der Produktion. Transparenz alleine macht noch kein grünes Unternehmen, aber ist ein guter Anfang. Vielleicht sorgt ja auch der Erfolg von Mitbewerber nudie Jeans für den nötigen Druck zu weiteren Schritten.

by the way: Bereits 2010 launchte Pharrell Williams eine BIONIC Yarns Jeans-Kollektion mit Top Shop. So neu und innovativ, wie die Kollektion gerade im Web gefeiert wird, ist also allenfalls das Marketing.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Wow, das ist mal ein Fashionfilm! Im Aktivist_innen-Szene-Sprech wird sowas auch “Riot-Porn” (Ausschreitungsporno) genannt. Nackte Haut – wie hier in Film – ist übrigens kein Kriterium für diese Kategorie. Und worum gehts?

Jeanshersteller Replay bringt eine kleine Kollektion mit Laser-Waschungen auf den Markt. Die eingesetzten Laser-Waschungen verbrauchen bis zu 85 % weniger Wasser als herkömmliche Used-Waschungen. Und auch der Einsatz problematischer Bleich-Chemikalien, die oftmals mit dem Abwasser in den Flüssen der Herstellerländer landen, entfällt. Die leichten “Dirt”-Effekte werden mit mineralischen Pigmenten erzeugt. Also auch hier weniger giftige Chemie. Soweit so so gut.

Replay preist die Laserblast L.I.F.E Jeans entsprechend als die bisher nachhaltigste Kollektion des italienischen Jeansanbieters an. Und mehr noch, direkter Umweltaktivismus gehört angeblich zu den zentralen Unternehmenswerten.

“Die Umweltschützer sind die Helden der modernen Welt. Anstatt über abstrakte Ideale zu reden, handeln sie ohne Furcht vor den Folgen. Diese Auffassung von Umweltengagement gehört zum Replay Markengut.” (Matteo Sinigaglia, CEO von Fashion Box S.p.A.)

Ist uns da die ganzen Jahre ein grüner Modeaktivist entgangen? Ich glaube nicht. Bereits 2007 hat Replay eine Organic Kollektion auf den Markt gebracht. Heute gibt es kein einziges Modell aus Bio-Baumwolle mehr. Und so schont auch die L.I.F.E-Kollektion die Umwelt zwar beim Waschen, vergiftet aber dafür weiter Menschen und Böden beim konventionellen Baumwollanbau.

Das ist alles andere als Öko-Revolutionär. Revolutionär ist hier nur die Ästhetik und dabei so klischeedurchtränkt, dass es schon fast als Satire durchgehen könnte. Replay jedoch müht sich nach Kräften um den Anschein von Authenzität. So sind 2 der Umweltaktivist_innen im Film auch im realen Leben umweltengagiert. Die norwegische Schauspielerin und Model Aleksandra Orbeck-Nilssen betreibt eine Naturschutzstiftung namens Nonafasa. Enok Groven, ebenfalls Fashionmodel,  gründete das Newsblog FashionAgainstClimateChange. Den beiden möchte ich hier keinen Vorwurf machen. Das beworbene Produkt ist vermutlich immerhin grüner als die meisten anderen, für die sie werben müssen. Wirklich grüne Jobs sind für Models sicherlich rar.

Replay hingegen hat für diese Kampagne die Grünwäscher-Krone der Modebranche verdient. So dreist hat sich wohl noch kein Fashionbrand als Umweltaktivist vermarktet. Vielleicht wird es Zeit, dass echte Umweltaktivisten sich das Unternehmen mal genauer anschauen. Und CEO Matteo Sinigaglia sollte sich fragen, wessen Interessen die im Film so dunkle Staatsmacht denn in der Regel in ökologischen Konflikten vertritt. Und welcher Seite ein konventioneller Modekonzern wohl im Zweifel näher steht.

Weils so wunderbar pathetisch ist, hier noch der Orginaltext der Kampagne:

To be an Eco-Warrior for L.I.F.E. is to be a silent rebel that turns
a quiet revolution, into an environmental evolution.

It’s to be an innovator in activism.
A rebel with a cause.

To stand up for what you believe in and fight for what is right.

It’s to be a doer. A dreamer. A darer.

To be an Eco-Warrior is to live it, breath it, fight for it and wear it.

Laser Waschungen sind übrigens wirklich toll. Aber dann bitte auch auf sauberen und fairen Jeans aus Bio- oder Recycling-Baumwolle. Die gibt es schon länger von Kuyichi, KOI, SEY, Goodsociety, Pearls of Laja und dank meiner lieben Blog-Kollegin Marina bald auch von Hess Natur. In solchen Laser-Hosen macht ihr sicher auch auf der nächsten Demo eine gute Figur.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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