Acht Fragen an das Lieblingsunternehmen

25. Januar 2012

 

Mark Starmanns & Kirsten Brodde
Am 12. Januar 2012 meldete die Tagesschau, dass ein indonesischer Nike-Produzent rund eine Millionen Dollar für knapp 600.000 bislang unbezahlte Überstunden nachzahlen würde. Das wurde als Sensation gefeiert, denn in den meisten Niedriglohnländern verstößt die Bekleidungsproduktion täglich gegen geltende Gesetze und international anerkannte Menschenrechte – beim ökologischen Fußabdruck sieht es nicht besser aus.
Das muss aber nicht sein. Mit unseren acht Fragen weisen wir auf zentrale soziale und ökologische Herausforderungen in der Bekleidungsproduktion hin und zeigen zugleich, dass es immer Vorreiter gibt, die vorbildlich handeln. Warum nicht einmal seine Lieblingsfirma mit unseren acht Fragen konfrontieren?

1. Kennt das Unternehmen seine komplette Produktionskette?
Und wenn nicht? 2009 bekam der Timberland-Chef Jeff Schwartz über 65.000 Mails von Greenpeace-Aktivisten. Sie kritisierten, dass die Firma an der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes mitbeteiligt sein könnte. Die Logik: Wenn das Schuhleder von Kühen stammt, für die der Regenwald gefällt wird, dann ist Timberland an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt. Schwartz war zuerst schockiert über die Anklage, da er immer besonderen Wert auf die Umwelt gelegt hatte. Doch er tat alles, um die Herkunft des Leders herauszufinden – mit Erfolg.
Vorreiter wie Patagonias „Fooprint Chronicles“ oder Switchers „Respect-Code“ zeigen, dass Unternehmen durchaus ihre gesamten Produktionsketten kennen und veröffentlichen können. Patagonia weiß sogar, dass ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle bei der Herstellung über 25.000 Kilometer zurücklegt – und dabei 4,7 Kilo CO2, 148 Gramm Abfall, 703 Liter Wasser und 12 kWh Energie produziert. Von der Energie kann eine 18W Birne 27 Tage und Nächte lang brennen. Und was geschieht mit den 30 Dollar, die das T-Shirt im Patagonia-Webshop kostet? Davon decken neben Patagonia mindestens sechs weitere Firmen in der Türkei, Indonesien, und drei in Los Angeles ihre Herstellungskosten ab. Auch der deutsche Staat bekommt rund 12 Dollar von jedem verkauften T-Shirt. Im Patagonia-Laden in Zürich kostet das gleiche T-Shirt dann übrigens 50 Dollar, wobei der Einzelhandel in der Regel mehr als 50 Prozent des Ladenpreises abschöpft. Weiter lesen…

Im Gespräch: Noel Klein-Reesink

10. Januar 2012

Bernd Hausmann im Gespräch mit Noel Klein-Reesink:

Noel und Ich kennen uns schon einige Jahre. Als ich ihn das erste mal traf, arbeitete er noch bei Hess Natur. Vielen ist er noch aus seiner Zeit bei KarmaKonsum bekannt. Ab Februar kommen seine ersten Sneaker auf den Markt. Vorab sprach ich mit ihm über sein neues Label ekn footwear. Weiter lesen…

The Berlin Fashion Week Eco Guide

06. Januar 2012

Und wieder läuft der Countdown und wie wir es schon lange ahnten, sei jedem Besucher der Berliner Fashion Week empfohlen diesmal festes Schuhwerk einzupacken. Denn die grünen Brands präsentieren sich schön über die Stadt verstreut, sodass man es sportlich und mit dem touristischen Ehrgeiz nehmen sollte, so viel wie möglich von Berlin mitzunehmen. Um uns allen dabei unnötige Blasen zu ersparen, haben Frans und ich mal alle Informationen zu den grünen Ausstellern und Events zusammengetragen, die wir finden konnten. Sollte etwas fehlen, so ergänzt es bitte durch ein Kommentar. Weiter lesen…

Muss denn Seide Sünde sein Teil II

22. Dezember 2011

In unserem letzten Teil des Berichts auf den Spuren der Bio-Reise in Nordostindien haben wir euch das Projekt vorgestellt und euch erzählt wie die Kokons entstehen und welche Vorteile das Seidenprojekt für so viele Menschen bringt.

Nun wollen wir nicht so viele Worte verlieren, sondern haben ein kleines Video unserer Reise für euch zusammengeschnitten. Im ersten Teil seht ihr nochmal die faszinierenden Seidenraupen im Dschungel Indiens. Im zweiten Teil stellen wir euch die Spinnerinnen aus einem Common Facility Center vor, die die Seide spinnen und aufhaspeln. Dann folgt ein kurzer Abstecher in das Trainingszentrum der WeberInnen. Und am Schluss folgt ein kleiner Film, der das Schicksal der Handweber in de Region beleuchtet und zeigt wie sich ihr Leben zum Positiven verändert hat. Der letzte Teil ist leider komplett in englisch. Viel Spass beim Schauen* und Lernen. Wir lieben das Projekt auf jeden Fall und sind von der tollen handgewebten Seide begeistert.

*entschuldigt die teilweise etwas schlechte Videoqualität.

Text: Benjamin Itter / Lebenskleidung

Victoria´s Secret prüft Vorwürfe

19. Dezember 2011

Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg hat am 15. Dezember eine Reportage veröffentlicht, in der behauptet wird, dass in Burkina Faso Kinder Baumwolle für die Dessous von Victoria´s Secret pflücken. Betroffen ist ausgerechnet Bio- und Fairtrade-Baumwolle. Das ist schlimm. Trotz dieser Nachricht finden wir wichtig, dass Konsumierende nicht das Vertrauen in Bio- und Fairtrade-Baumwolle verlieren. Mark Starmanns vom Netzwerk Faire Mode aus der Schweiz erklärt seinen Standpunkt. Weiter lesen…

Gift im Pelz? DPI reagiert unsäglich!

09. Dezember 2011

 

Vergangene Woche machte eine Studie von sich reden, die den Nachweis giftiger Substanzen in Pelzwaren thematisierte. Im Auftrag des Tierschutzvereins “Vier Pfoten” e.V. ließ EcoAid by Manfred Krautter verschiedene Pelze auf Chemikalienrückstände prüfen und traf auf Substanzen, die humantoxikologisch bedenklich sind, etwa Formaldehyd und Chlorparaffine. Geprüft wurden “35 Pelze an Jacken, Mützen, Krägen, Schals oder Kapuzen, gekauft in sieben europäischen Ländern von internationalen Labels wie Gucci, Burberry oder Max Mara bis hin zu nationalen Modeketten.” Am schlechtesten schnitt zu allem Überfluss die Kinderkleidung ab. Viele Produkte überschritten die gesetzlichen Grenzwerte, so der Tester. So traurig das Ergebnis ist; andere konventionelle Textilprodukte würden kein Anderes hervorbringen. Was mir bei der Sache aber besonders den Hals anschwellen lässt,  ist die hanebüchene Reaktion des Deutschen Pelz Instituts, welche sie auf ihrer Homepage veröffentlicht haben.

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Fair Fashion mit CH

07. Dezember 2011

 

In der Schweiz wächst gerade ein vorbildlicher Knotenpunkt für alle, denen nachhaltige Kleiderproduktion wichtig ist. Er heißt NETZWERKFAIREMODE und möchte sowohl ein Medium für Modeschaffende sein, indem die Plattform vernetzt, berät und informiert, als auch ein Guide für interessierte Konsumenten, die auf der Suche nach der nachhaltigen Variante ihres zukünftigen Wintermantels sind.

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Vintage-Wahnsinn

28. November 2011

Das H&M Tochterunternehmen Weekday macht jetzt auch in Secondhand, wie Kirsten hier schon an anderer Stelle aus Stockholm berichtete. Natürlich heißt das bei der Fast-Fashion-Kette ganz trendig “Weekday Vintage” und wird mit einem schicken neuen Etikett versehen. Und das gibt es bei Weekday nicht nur in Stockholm, sondern auch in der Berliner Filiale an der Friedrichstraße.

Während Kirsten sich in Stockholm noch fragte, ob das wohl funktioniert, gibt das Video vom Mid Season Vintage Sale in Berlin (siehe oben) eine eindeutige Antwort.

Wir nachhaltigkeitsbemühte Modeliebhaber verbinden mit Secondhand oft auch einen kulturellen Wandel, eine Abkehr von der Schnelllebigkeit und des ständigen Verlangen nach Neuem. Weekday zeigt uns nun, dass auch gebrauchte Kleidung zu Fast Fashion umfunktioniert werden kann. Klar wirken die Bilder des Secondhand-Konsumrauschs verstörend. Doch es ist auch faszinierend, wie anziehend Secondhand-Kleidung selbst für konsumsüchtige Fashion Victims wird, wenn sie entsprechend vermarktet wird.

Einen ganz anderen und ökologisch wegweisenderen Secondhand-Ansatz verfolgt seit einigen Wochen der Outdoor-Hersteller Patagonia. In Kooperation mit ebay wurde ein ebay-Shop für gebrauchte Patagonia-Produkte aufgesetzt. Eine begleitende Kampagne rät Patagonia-Online-Kunden stets zu schauen, ob das begehrte Produkt nicht auch gebraucht erhältlich ist.

Die gebrauchten Patagonia-Produkte werden nicht von Patagonia selbst, sondern von ebay-Nutzern angeboten. Um mit ihren Produkten gelistet zu werden, müssen ebay-Nutzer ein gegenseitiges Versprechen mit Patagonia eingehen. Die ebay-Nutzer verpflichten sich dabei, nur noch zu kaufen, was sie wirklich brauchen, zu reparieren, was kaputt geht, der Wiedernutzung zuzuführen, was sie nicht mehr brauchen und zu recyceln, was übrig bleibt. Im Gegenzug verspricht Patagonia nur nützliche und haltbare Produkte anzubieten, zu reparieren, was dennoch kaputt geht und irreperable Produkte zu recyceln.

Die Secondhand-Angebote sind sowohl in Patagonias eigenen Webshop eingebaut als auch als Special-Shop bei ebay. Das Secondhand-Konzept ist Teil von Patagonias Common Threads Initiative, das  auf ein gemeinsames Reduce, Repair, Reuse, Recycle und Reimagine abziehlt. Nachdem Patagonia nun schon seit einigen Jahren aufgetragene Produkte zurücknimmt und recycelt, wird mit dem Seconhand-Online-Shop die umfassende Produktverantwortung weiter vervollständigt.

Autor: Lars Wittenbrink (gruene wiese, Münster)

Muss denn Seide Sünde sein?

24. November 2011

Indien fasziniert immer wieder durch seine Dynamik und seine Vielzahl an tollen Projekten die vormachen, dass eine andere Welt möglich ist, wenn man den Willen zeigt etwas zu ändern. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wenn man zu einer Reise in die abgelegensten Winkel Nordostindiens aufbricht, um dort dem Geheimnis der Bio-Seide auf die Schliche zu kommen, umso mehr. Und das will ich euch nicht vorenthalten.

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Shoperöffnung

23. November 2011

 

Hier noch mal eine Meldung an die Hauptstädter und an alle, die kommenden Freitag zu Besuch in Berlin sind: in Mitte eröffnet der erste Upcycling-Fashion Store, den ihr nicht verpassen solltet. Drei Monate lang wird der Store in der Linienstrasse 77 bleiben und Einblicke in die Welt der vestimentären Wiederverwertung gewähren; und zwar zum Mitnehmen. Labels wie Aluc, El Reinventor, Milch und ReClothings sind mit dabei und am Freitag, den 25.11 kann man diese von 16 bis 21 Uhr nicht nur bestaunen, sondern wird auch noch mit Häppchen, Bio Brause, Bio Bier und Musik versorgt. Andernfalls könnt ihr jederzeit (Montag bis Samstag) zwischen 11 und 20 Uhr vorbeischauen.

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