24 Mai, 2016

Nächstes Level bitte!

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Foto: FREITAG® F-ABRIC, http://www.freitag.ch/fabric/compost

Es wird Zeit für das nächste Level. “Close the Loop” ist das Nachhaltigkeitsthema der Stunde in der Textilindustrie und es sollte dabei um mehr gehen als einmaliges Recycling. Echte Kreislauffähigkeit im Sinne von Ökoeffektivität/Cradle to Cradle lautet die Zielmarke.

Seien wir doch mal ehrlich, grüne Mode machen ist keine Raketenwissenschaft. Zumindest aus Sicht eines Labels oder Auftraggebers. GOTS-zertifizierte Basics schaffen sogar Tchibo oder Aldi. Man kaufe einen GOTS-zertifizierten Stoff von der Rolle und suche sich einen GOTS-zertifizierten Konfektionsbetrieb. Fertig ist die ökomäßig durchzertifizierte Klamotte.

Klar, die Auswahl an Stoffen ist nach wie vor sehr viel geringer als im konventionellen Bereich und wer seine Materialien exklusiv haben will, der muss meist schon beim Garn anfgangen. Doch im Weg stehen bei der Herstellung eigener Stoffe eigentlich vor allem die zu kleinen Stückzahlen und die deshalb hohen Mindermengenaufschläge. Nicht die technischen Herausfordungen.

Nachhaltige Labels sind die Avantgarde der nachhaltigen Mode. Das galt auch für die Einführung neuer Materialien in die Mode, wie Lyocell (TENCEL®, Monocel), Lenzing Modal® Edelweiß, Recyceltes Polyester oder Kork. Trotz großer Potentiale sind diese neuen Möglichkeiten allerdings auch von grünen Modemachern bisher nur selten genutzt worden, um Kollektionen kreislauffähig zu gestalten. Im Gegenteil. Vielfach sehen wir inzwischen Fasermixe aus einzeln betrachtet durchaus nachhaltigen Materialien, die jedoch in einer Weise kombiniert werden, die Kleidungsstücke nach ihrer Nutzungsphase zum wertlosen Abfall macht. Besonders häufig passiert das durch den bisher nicht hochwertig recycelbaren Mix von Bio-Baumwolle und Recyclingpolyester in Sweat- und Jerseystoffen. Ein Materialmix, dessen Ökobilanz zudem wegen des Polyesteranteils durch Erkenntnisse über das Auswaschen von Mikroplastik bei der Wäsche deutlich in Frage gestellt wird.

Doch auch Kleidung, die laut Textilkennzeichnung nur aus Naturfasern und/oder ebenfalls biologisch abbaubaren Regeneratfasern wie TENCEL® besteht, ist in der Regel nicht kreislauffähig im Sinne von Kompostierbarkeit, also der Rückgabe in einen natürlichen Kreislauf. Schuld daran sind die Zutaten: von Nähgarn aus Polyester über Knöpfe aus Plastik bis hin zu den Wasch- und Zusammensetzungsetiketten. Nicht selten wird auch für das Branding mit Loop-Labels, Patches oder Stitching Polyester eingesetzt. Neben den Zutaten müssen wir zudem einen Blick auf die Färbungen und Ausrüstungen zu werfen. Auch viele in der Textilindustrie eingesetzte Chemikalien sind nicht biologisch abbaubar.

Wie echte Kreislauffähigkeit geht, hat prominent das Schweizer Taschen-Label FREITAG® mit der F-ABRIC-Kollektion gezeigt. Mit Avour und Mela Wear verschreiben sich weitere Labels der Ökoeffektivität. Während dies bei Mela Wear noch ein Ziel ist, sind die Avour Basic-Shirts bereits C2C-Silver zertifiziert.

Trigima hat schon 2012 mit der Change Linie die erste zertifizierte C2C-Textil-Kollektion auf den Markt gebracht, bietet jedoch weiterhin überwiegend konventionelle Bekleidung an. Eine einzelne kleine C2C-Kollektion gab es auch bei Puma. Die erreichte jedoch nur das Basic-Level unter den C2C-Zertifizierungen, welches als wenig anspruchsvoll gilt.
Überhaupt geht es weniger um eine Zertifizierung, sondern um das dahinter steckende Designprinzip. So ist auch F-ABRIC von FREITAG® nicht C2C-zertifiziert. Dennoch ist die Modelinie der Schweizer Taschenspezialisten die bisher erste Umsetzung von Ökoeffektivität mit einem kompostierbaren Mix aus Natur- und nachhaltigen Regeneratfasern. Bei den Hosen inklusive abschraubbaren Knöpfen.

Ich würde mir wünschen, dass das Ziel Ökoeffektivität bei den grünen Labels schon bald zum Standard wird. Oft ist dafür nur eine Umstellung des Nähgarns (z.b. auf TENCEL®-Nähgarn) und der Etiketten (z.b. auf Bio-Baumwolle) nötig. Klar ist es nicht realistisch bei Skinny-Jeans (die uns wohl noch eine Weile begleiten werden) und einigen körpernahen Damenschnitten auf Elasthan zu verzichten. Aber viele Oberteile brauchen keine petrochemischen Kunstfasern. Und auch für Polyester und Elasthan sind bereits kompostierbare Alternativen in der Entwicklung.

Eine technische Kreislaufführung für Kleidung ist ebenfalls denkbar, insbesondere bei sortenreinen Polyester- oder Nylonprodukten. Also eher bei Sportswear wie Windbreakern oder Badeshorts als bei Fashion oder Casual Wear, bei der wohl die wenigsten reine Kunstfasern tragen wollen.

Bei der FashionWeek in Berlin im Juni werde ich verstärkt die Augen offen halten nach Konzepten, die echte textile Kreisläufe ermöglichen. Wenn ihr weitere Beispiele von Labels oder Kollektionen kennt, die in diese Richtung gehen, schreibt gerne einen Kommentar.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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25 Feb, 2016

Männer in Arbeit

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Ich treffe Uli Ott am einem Freitagabend, kurz bevor wir uns beide den Dokumentarfilm „The True Cost“ ansehen. Wir plaudern darüber, ob Männer beständiger sind in ihrem Stil und ihren Look nicht so oft ändern wollen. Und wie viel starke Öko-Kollektionen es für Herren eigentlich gibt? Uli und Manfred Ott werden im März den bundesweit einzigen Ökomode-Laden nur für Männer eröffnen – schräg gegenüber von „Marlowe nature“, ihrem Frauen-Mode-Laden im Hamburger Grindelviertel. Unter Hochdruck renovieren sie gerade den Laden – momentan gilt: “Men at work”.

Ist es schwieriger, Mode für Männer zu verkaufen als für Frauen?

Uli: Wir waren früher einfach limitierter. Wir hatten Männermode – gleich ganz am Anfang. Aber  Mitte bis Ende der 90er Jahre gab es noch keine wirklich coolen Marken und das brachte keinen Spaß. Also haben wir die Männerecke wieder abgeschafft. Manfred hat noch einen Tweed-Anzug der ersten Stunde im Schrank. Aber in den vergangenen drei Jahren kam immer mehr Männer in den Laden – Jungs und Herren – und fragten, ob es auch für sie was zum Anziehen gäbe. Und dann haben wir in unserem minikleinen Laden in Ottensen wieder eine Männerecke eingerichtet mit Bleed, Hempage, Good Society. Und plötzlich hört unsere Nachbarin am Schlump mit ihrem Blumenladen auf und es findet sich kein Nachfolger. Da habe ich Manfred angerufen und er sagte spontan: Und jetzt möchtest du, dass wir da einen Männermode-Laden aufmachen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Und jetzt haben wir 70 Quadratmeter mit Terrazzo-Boden und großem Schaufenster und bauen behutsam um.

Aber wie füllt ihr den Laden? Die Orderzeit ist doch längst vorbei.

Gottseidank haben wir zu vielen Labeln lange Beziehungen und die haben ihr Lager für uns geöffnet. Wir haben durchdachte und urbane Kollektionen von Knowledge Cotton,  Armedangels, Recolution, aber auch T-Shirts und Rucksäcke vom jungen Label Mela Wear aus Lüneburg. Übrigens sind wir jetzt auf unserer Ecke ein richtiges „Kompetenzzentrum“ mit vier Läden – Maas, Paletti, Marlowe für Frauen und Marlowe für Männer. Da lohnt es sich auch schon mal von weiter her zu kommen.

Die Zeit ist also reif für einen Männer-Laden?

Ich denke schon. Das liegt vor allem an der Mode, die sich entwickelt hat im Jeans-Bereich und auch im Sportbereich. Es gibt genügend starke Label mit grünem Hintergrund. Und deshalb muss auch die Zahl der Einzelhändler wachsen, um Sichtbarkeit für diese Label zu schaffen. Gerade weil immer noch so viele Menschen sagen, sie wüssten nicht, wo die alternative Mode zu finden ist, es sieht nicht aus oder sie sei ihnen zu teuer. Im Gespräch lässt sich das meistens entkräften.

Unterscheiden sich nicht Männer und Frauen beim Modekauf extrem? Was bedeutet das für eure Boutique?

Männer gelten als beständiger in ihrem Stil. Wenn ihnen ein T-Shirt gefällt, dann kaufen sie gleich fünf davon. Aber wir leben im Jahr 2016 und auch Männer kaufen mehr als früher und wollen mal ein ausdrucksstärkeres Teil. Also brauchen wir neben einer breiten Auswahl an Basics auch in unserer Boutique Abwechslung. Männer beißen sich aber eher an einer Marke fest ist meine Erfahrung. Zur Eröffnung kommt aber tatsächlich ein Hamburger Schauspieler, der geschlechtsspezifisches Einkaufsverhalten auf die Schippe nimmt. Wir proben ja auch gerade – mit unserem Laden und sind gespannt, wie es laufen wird.

Das Team von Grüne Mode drückt euch ganz doll die Daumen!

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Leider habe ich es dieses Mal nicht zur Innatex geschafft und damit auch das superspannende Panel zum Thema “Vegan oder natürlich tierisch? – Wie nachhaltig soll Ecofashion sein?“ verpasst. Zum Glück gibt es das nun wie auch die Panels der vorigen Messeausgaben online zum nachsehen (siehe oben), was ich hiermit wärmstens empfehle!

Die Frage der Vereinbarkeit von ökologischer Nachhaltigkeit und Tierrechten in der Mode beschäftigt mich seit vielen Jahren. Bei vielen Produktgruppen ist das kein Problem. Jeans brauchen keine Lederpatches, Knöpfe von Hosen und Blusen können statt Perlmutt und Horn auch aus Steinnus oder gepresstem Papier hergestellt werden, wenn auf Kunststoff verzichtet werden soll. Lyocell/Tencel und Modal können können Seide bei Kleidern, Röcken, Blusen, Futterstoffen oder Garnmixen ersetzen.
Eine Herausforderung bleiben die klassischen Lederanwendungen Schuhe, Gürtel und Handtaschen sowie Wolle für wärmende Strickwaren im Winter.

Ich glaube allen ist klar, dass auch erdölbasierte Leder- und Wollersatzprodukte in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn haben, wenn wir sie mit den konventionellen tierischen Materialien vergleichen. Genauso klar sein sollte auch, dass dieser Vergleich Nichts über den Vergleich zu ökologischen Tierfasern und vegetabilen Ledern aussagt. Darum ging es im Panel und darum soll es auch hier gehen.

Auch wenn es an vergleichenden Ökobilanzen mangelt, ist es denke ich gar nicht so schwer, tendenzielle Aussagen zu treffen, insbesondere wenn man die Nutzungsphase miteinbezieht. Ein vegetabil gegerbter Lederschuh mit hochwertiger Sohle oder eine Lederhandtasche können bei guter Pflege über viele Jahre getragen werden und sehen auch dann noch so gut aus, dass sie nicht aus rein ästhetischen Gründen ausgetauscht werden müssten. Der Vorteil echten Leders ist, dass man es Nachfetten und damit geschmeidig halten kann. Auch ein Nachfärben ist recht einfach möglich. Für erdölbasierte Kunstleder gilt das nicht. Letztlich wird also jemand der Kunstlederschuhe kauft diese vermutlich häufiger ersetzen als jemand der vegetabil gegerbte Lederschuhe trägt. Immer vorrausgesetzt, dass es um Personen geht, die ihre Sachen pflegen und tragen, solange sie in einem guten Zustand sind. Selbst wenn das Obermaterial aus recyceltem Kunststoff hergestellt wird, fehlt bei dem Kunstlederschuh die realistische Kreislauffähigkeit. Wer nimmt schon seine alten Schuhe auseinander und wo sollte er die einzelnen Materialien abgeben? Theoretische technische Recyclingfähigkeit der einzelnen Materialien hilft hier nicht weiter. Der Lederschuh mit Kautschuk- oder Ledersohle kann theoretisch weitgehend CO2-neutral thermisch verwertet werden und wäre auch einem ökologischen Kreislauf zuführbar.

Hier stehen sich nun längere Haltbarkeit und dadurch geringere Ressourcenverbräuche und Senkeneinträge bei vegetabil gegerbten Lederschuhen und die Achtung von Tierrechten durch vegane Alternativen bisher technisch unvereinbar gegenüber. Die Ziele Ressourcengerechtigkeit unter den Menschen und Tierrechte bilden also bei festerem Schuhwerk derzeit noch einen Zielkonflikt. Zumindest bis Kork oder Pinatex (Ananasfaser) zeigen, dass sie ähnliche Haltbarkeit wie vegetabile Leder erreichen können, wird hier immer eine Priorisierung notwendig sein, wie immer diese auch individuell ausfallen mag.

Auch bei Wolle ist es mit dem Ersatz nicht so einfach. Natürlich kann gänzlich auf tierische Fasern verzichtet und nur Bio-Baumwolle und andere ökologische Natur- und Regeneratfasern verwendet und getragen werden. Diese Fasern haben aber auch alle eine sehr viel geringere Wärmeleistung als Wolle und führen vermutlich schnell zu höheren benötigten Heiztemperaturen in Wohnungen und Büros. Zudem haben sie nicht die natürliche Antigeruchsbildene und antibakterielle Wirkung der Wollfasern, sodass die entsprechenden Textilien sehr viel häufiger gewaschen werden müssen. Heizen und Waschen führen somit auch bei den ökologischen veganen Wollalternativen in der Nutzungsphase zu mehr Ressourcenverbrauch, selbst bei Verzicht auf zusätzliches Heizen.
Eine wärmendere vegane Alternative wäre Polyesterfleece. Dieser ist problemlos auch aus recycelten Fasern herstelltbar. Allerdings wissen wir inzwischen, dass sich aus Kunstfasertextilien bei der Wäsche Mikroplastik auswäscht und damit in die Wasserläufe und letztlich die Meere gelangt.

In Bezug auf Wolle sind zumindest alle Menschen in kühleren Regionen und nicht ausordentlich großer köpereigenen Wärmeleistung auch wieder vor eine Wahl gestellt. Auch hier sind optimale Ressourcenschonung und Tierrechte bisher technisch unvereinbar. Wird mit Polyesterfasern gearbeitet besteht zudem eine Notwendigkeit zwischen individuellen Tierrechten und den Rechten allen maritimen Lebens auf unversehrten Lebensraum abzuwägen.

Andersherum werden Tierrechte auch nicht durch die Regeln zur “artgerechten Haltung” der Bio-Zertifikate eingelöst. Vegan im Sinne von Anti-Speziesismus bedeutet eben eine Gleichbehandlung von Mensch und Tier und damit auch einen Ausschluss von jeglicher Nutzung von Lebewesen, egal unter welchen Bedingungen.

Es soll hier nicht darum gehen, die verschiedenen Prioritäten zu bewerten. Mir geht es nur darum, diese Bewusst zu machen.

In langfristiger Perspektive hoffe ich auf technische Lösungen, die bestehende Zielkonflikte beseitigen. Bis dahin hoffe ich, dass ein Bewusstsein für eben diese Zielkonflikte zu einem noch respektvolleren Umgang der Vertreter_innen beider Perspektiven führt. Dazu gehört auch, dass zumindest konventionelle Kunstleder nicht als nachhaltiges Material bezeichnet werden, wie dies leider bei veganen Schuhen immer wieder passiert.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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BERLIN, GERMANY - JANUARY 19: Greenshowroom/Ethical Fashion Show, at Postbahnhof Berlin, 19.01.2016. Visitors and buyers at Ethical Fashion Show. (Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt)

Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt

Die beiden grünen Messen waren diesmal stark wie nie zuvor. Ich erinnere mich an Saisons, wo es für viele grüne Conceptstores hier mehr um das Familientreffen ging, während die besten grünen Kollektionen eher auf anderen Messen zu finden waren. Mit Lanius, KnowledgeCotton und Oh My Bag leisteten sich hingegen diesmal gleich 3 auch im konventionellen Handel erfolgreiche Labels einen Doppelauftritt und eine ganze Reihe langjährigerer und neuer Aussteller überzeugten auf einem Level, das mich wirklich begeistert hat.

Frieda Sand debütierte mit einer so ausgereiften Kollektion, wie sie eben nur erfahrene Modeprofis hinlegen können. Kirsten Weihe-Keidel ist bereits seit 20 Jahren mit der Kindermodemarke Sense Organics am Markt. Mit Frieda Sand kommt nun Damen-Label hinzu, das alltagstaugliche Casual Wear, aber auch Higher Fashion im Programm hat. Kuschelweicher FairTrade-Cashmere und feine Merinowollgewebe sind die Materialhighlights für den Winter 2016. Neben Kleidern, Blusen und Röcken darf hier natürlich auch eine Culotte-Hose nicht fehlen. Gut kombinierbare lange Cardigans und Mäntel runden das Programm ab.

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Ebenfalls erstmalig dabei war das spanische Taschenlabel Maravillas Bags. Die lässigen bis schickeren Alltagsbegleiter begeistern nicht nur durch klare Formsprache und tolle Verarbeitung im eigenen Betrieb auf Mallorca. Neben IVN zertifizierten Bio-Ledern bietet Maravillas alle Modelle auch in Pinatex an. Schon lange habe ich darauf gewartet das neue vegane Lederersatzmaterial endlich mal live zu sehen und anzufassen. Pinatex wird auf Ananasblättern gewonnen und in einem chemisch-mechanischen Prozess zu einem nicht-gewobenen Material mit lederartiger, strukturierter Oberseite gepresst. Die Hoffnung ist, dass dieses Material schöner altert und besser nachfärbbar ist als erdölbasierte Kunstleder es sind. Zudem ist es biologisch abbaubar.

Die vegane Lederalternative ist nicht nur für Taschen interessant, sondern ganz besonders auch für Schuhe. Beim Schuhwerk könnte Pinatex neben der einfacheren Pflege auch durch eine bessere Atmungsaktivität gegenüber konventionellen Kunstledern glänzen. Beim veganen Schuhlabel Nae waren erste Modelle mit Pinatex zu sehen. Ich bin supergespannt, wie sich das Material im Alltag verhält und hoffe bei Zeiten darüber berichten zu können. Die in Berlin gezeigte Variante ist leicht strukturiert und sieht etwas so aus wie Crinkled Leather (“geknittertes Leder”). Das Material ist weicher und leichter als Leder, macht aber einen robusten Eindruck.

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Neben ökologischen veganen Lederalternativen ist ökologische Bademode seit Jahren ein Lücke immer ansonsten mittlerweile recht umfassenden grünen Modeangebot. Das gerade gestartete spanische Label allSisters schickt sich an diese Lücke zu füllen. Die “Responsible Swimwear” der Spanierinnen besteht aus recyceltem Nylon mit Elasthananteil. Das Material fühlt sich sehr gut an und macht einen hochwertigen, langlebigen Eindruck. Dazu sehen die Badeanzüge und Bikinis auch noch sehr schick aus, wobei mir die symetrischen Formen besser gefallen, als das Design im Bild unten. Alle Styles gibt es ausschließlich in schwarz und weiß, was gut zu den klaren und modernen Schnitten passt. Im eigenen Onlineshop gibt es bereits die gesamte derzeite Kollektion zu sehen.

allSisters

Auch eng mit dem Element Wasser verbunden sind die Jungs und Mädels von Langbrett, bei denen es um Wellenreiten und Longboarden geht. Langbrett betreibt eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg und ist einer der wenigen Händler in Deutschland, bei denen es die Patagonia Surf und Beach Kollektion zu kaufen gibt. Von Anfang an haben die Langbrettler auch eigene Produkte entwickelt und dabei stehts großen Wert auf eine maximal transparente und nachhaltige Produktion gelegt. So gibt es Strick-Sweater, Troyer und Mützen aus Mulesing-freier Merinowolle made in Germany sowie Hoodys und Shirts aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle made in Portugal. Seit letztem Jahr sind auch Schuhe im Programm, aus vegetabil gegerbtem Leder und mit einer Sohle aus Naturkautschuk und recycleten Autoreifen oder alternativ vegan mit Obermaterial aus Bio-Baumwoll-Canvas. Meines Wissens die ersten fairen und nachhaltigen Skate- und Longboardtauglichen Sneaker überhaupt. Sehr gut gefallen haben mir auch die mit vorgestellten Rucksäcke und Taschen von Millican. Das verwendete Material nennt sich “Bionic Canvas” und ist ein Mix aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester mit sehr angenehmem und festen Griff. Imprägniert wird das Ganze mit Paraffin.

Langbrett

Schon ihren zweiten bzw. dritten Auftritt auf den grünen Messen hatten die Newcomer JAN ‘N JUNE, Lovjoi und Cus. Alle drei erweisen sich als Senkrechtstarter für moderne Streetfashion und haben mit ihrer tollen Entwicklung einen großen Anteil an meiner Begeisterung für diese Ausgabe der grünen Messen.
Das junge Team um Lovjoi-Gründerin Verena Paul hat seinen Sitz in der kleinen süddeutschen Stadt Riedlingen. Dort hat Lovjoi eine eigene Produktion in einer alten Werkstatt aufgebaut und liebt die Nähe zur Natur. Das Design der Kollektionen ist hingegen absolut urban und großstadttauglich. Farblich dominieren Schwarz, grau und weiß, aber auch ein paar blaue Teile sind dabei. Für den nächsten Winter gibt es unter anderem lange Sweat-Coats mit und ohne Kapuze und das sogar unisex, also auch für Männer. Aber auch sehr feminine Schnitte sind dabei, wie das Kleid Elling dessen Rockteil vorne kürzer gehalten ist. Alle Lovjoi-Styles sind vegan.

Lovjoi

Photo: Lovjoi

Aus der Großstadt Hamburg stammen JAN ‘N JUNE. Auch ihre Kollektionen sind komplett vegan und auch hier dominieren schwarz, weiß, grau und blau die Farbpalette. Besonders gefallen haben mir die Mäntel, Kimono-Cardigans und Stehkragen-Pullover aus kuscheligem Bio-Baumwollfleece. Sehr modisch, aber auch sehr tragbar und dazu wärmend auch ohne Wolle. Wie schon in vorrigen Kollektionen arbeitet JAN ‘N JUNE auch bei dieser Kollektion für einige Teile mit recyceltem Polyester. Diesmal sind ein Top, eine Bluse und ein Jumpsuit aus einem stark glänzenden, seidenartigen Material in petrolblau dabei. Echte Blickfänger.

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Photo: JAN ‘N JUNE

Mehr Farbe, aber ebenfalls sehr klare und moderne Schnitte gibt es beim spanischen Label CUS aus Barcelona. Rot bis rosé ist dabei und auch ein dunklerer Curryton. Eine Stange mit viel schwarz gab es aber auch. Anders als in früheren Kollektionen gibt es bei CUS im Winter 2016 keine gemusterten Stoffe. Die Besonderheit liegt in den Schnitten mit häufig recht aufwendiger Nahtführung und vielen Panelen. Die Stil ist sportlich, aber fein. Richtig kombiniert können gerade auch die Kleider aus fließendem Lyocell/Tencel-Gewebe auch sehr gut als Abendgarderobe getragen werden. Da es mir komplett an Fotomaterial fehlt empfehle ich diesen auch sonst sehr lesenswerten FashionWeek-Rückblick vom Blog Green Friday für einen ersten Eindruck.

     
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Foto: Premium Exhibitions

Nach dem Wegfall der Bread&Butter ist die Premium Exhibitions wohl die größte und meistbesuchteste Modemesse der Berliner Fashion Week. Der Anteil grüner Labels ist hier sehr gering, aber unter den wenigen nachhaltigkeitsorienterten Labels befinden sich einige der Stärksten der letzten Saisons.

Gleich am Eingang einer der Haupthallen präsentiert sich schon seit einigen Saisons das Kölner Label Armedangels. Auf dem Armedangels-Stand ist es eigentlich immer voll, nicht zuletzt, weil hier auch viele Einkäufer großer konventioneller Modehäuser anzutreffen sind. Die Kollektion überzeugt mit vielen tollen neuen Materialien und noch mehr modischeren Schnitten. Lyocell/Tencel spielt sowohl in Strick als auch in Blusen eine große Rolle. Ein superstarker Auftritt.

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Ebenfalls toll etabliert haben sich Heiko Wunder und Tim Brückmann mit ihrem Label Wunderwerk. Mit 3D- und Alpaca-Strukturstrick, wunderbaren Mänteln und Blazern sowie Blusen und Kleidern für jeden Anlass von Freizeit bis Büro und Abendgaderobe. Auch bei Wunderwerk kommt viel Lyocell und Modal Edelweiß zum Einsatz.

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Les Racines du Ciel bleibt in den Schnitten modern klassisch und übersichtlich, aber dafür umso breiter in den Farben und mit gewohnt herausragender Alpaca-Qualität. Neu kommen nun viele Styles auch in Duo-Farb-Garnen, die die feinen Strickstrukturen wunderbar unterstreichen. Slow-Fashion-Pullover mit Kuschelfaktor, die sowohl lässig zu Jeans als auch fein zu Stoffhosen zu kombinieren sind.

Schöner Zuwachs sowohl an Denim-Fits als auch bei den Oberteilen auch bei den Kings Of Indigo, die sich erstmals auf der Premium statt auf der Schwester-Messe SEEK präsentierten. Wie schon bei Nudie Jeans auf der SEEK sahen wir auch hier Cropped Flares und Super Flares sowie Ultra Baggy Fits. Die Trend-Silhouetten sind somit auch in grün bei verschiedenen Labels zu haben. Sehr gut gefallen haben mir die Pullover und Cardigans aus recycelter Wolle mit schönen Strickmustern und einem für Recyclingwollgarn sehr angenehm weichen Griff.

Die wenigen weiteren grünen Labels auf der Premium haben wir entweder nicht mehr geschafft (OGNX, Noble Project) oder uns auf der Ethical Fashion Show /im Green Showroom angesehen (Lanius, Oh My Bag). Die beiden grünen Messen waren so stark wie nie zuvor und bilden den krönenden Abschluss der Berlinberichte.

     
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SEEK me Baby one more time. Wie erwartet folgt dem Untergang der Bread&Butter der Aufstieg der SEEK. Die kleine Schwester der Premium ist eigentlich mehr der coolere Bruder. Es ist nämlich vornehmlich eine Männermodemesse. Zwar gibt es auch einige Labels, die neben der Herren- auch eine Damenkollektion präsentieren, aber das ist die Ausnahme. Dafür wird hier Einiges unisex angeboten, insbesondere Schuhe von Sneakern über Flats bis Boots.

Sehr viele Labels auf der SEEK produzieren in Europa oder den USA und fokussieren auf qualitativ höherwertige Verarbeitung so wie cleanes und zeitloses urbanes Design. Sehr wenige dieser Labels wiederum bemühen sich auch um eine nachhaltigere und giftfreiere Produktion. Aber es gibt auch wirklich grüne Labels auf der SEEK und die, die dort zu finden sind, gehören zu den Stärksten, die derzeit in der Herrenmodewelt zu finden sind.

Fangen wir mit Schuhen an. Da ist zum einen ekn footwear, das sympatische Label von Noel Klein-Reesink. Sehr gefreut habe ich mich, dass ekn den businesstauglichen Schuh Maple nach 2 Saisons wieder neu auflegt. Allen, die etwas für Beruf, Ausgehen oder festliche Anlässe suchen, sei dieses Modell schonmal wärmstens empfohlen. Eindeutiges Highlight der neuen Kollektion ist jedoch ein ganz anderer Schuh. Der Trillium (siehe Foto) mutet geradezu skulptural an, ist aber dennoch sehr gut tragbar und dank der schon früher verwendeten Vibram Ultralight Sohle auch vom Start weg superbequem. Es gibt einen herausnehmbaren Innenschuh, aus neopren-artigem Recyclingmaterial, der durch die seitlichen Cutouts des Aussenschuhs einen technischen Kontrast bildet. Der Aussenschuh besteht weitgehend aus nur einem Lederstück, dass sich einmal um den ganzen Fuß herumlegt. Damit setzt ekn die MrBailey-Linie fort, die sich auch bei den weiteren Modellen erfrischend von typischen Sneakerformen absetzt, was natürlich genauso auch für die hochwertige Verarbeitung und die ökologischen Rohstoffe gilt.

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Sehr klassisch und mit langer Tradition bildet Kavat designmäßig gewissermaßen einen Gegensatz. Die Chelseas und Schnürboots der Schweden sind schwerer und breiter, die Leder dicker, doch die Schuhe nach kurzem eintragen nicht minder bequem. Viele Modelle gibt es seit Jahren und auch die 3 klassischen Lederfarben (schwarz, dunkelbraun und hellbraun) kommen wieder bei fast allen Modellen zum Einsatz. Der Chelsea-Klassiker Bodas hat ein kleines Update erfahren und hat nun farblich abgesetzte Zugschlaufen sowie ein schwarze Sohle. Chelsea und Desert Boot gibt es nun auch mit einer Sneakersohle. Ebenfalls schlicht und perfekt umgesetzt, aber meine Favoriten bleiben die Klassiker, die durch ihre robusten Materialien und hervorragende Verarbeitung auch nach vielen Jahren noch super aussehen und bestimmt nicht aus der Mode kommen.

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Deutlich trendorientierter ist hingegen das französische Sneaker-Label Veja unterwegs. Entprechend des andauernden Runner-Hypes stehen auch hier viele Modelle mit “Laufsohle” zur Auswahl. Gut gefallen haben mir dabei besonders die schlichten Hauptfarben mit Kontrasten in knalligeren Details. Erstmals wird es auch vegane Runner geben, bei denen ein Recycling-Kunstleder zum Einsatz kommt. Bei den Ledervarianten hat Veja leider derzeit Probleme mit dem Bezug vegetabil gegerbter Leder und sucht dringend einen neuen Lieferanten.

Gefreut habe ich mich über ein Wiedersehen mit meiner SEEK-Entdeckung aus dem Sommer 2014. Als Levit1 stellten die Designer_innen damals eine Linie sehr formschöner Sandalen aus vegetabilem Leder und lokaler Verarbeitung vor. 3 Messeausgaben später zeigten sie nun mit Levit2 Schnürer und Chelsea Boots. Das Design ist abermals sehr reduziert und klassisch. Alle Modelle werden ausdrücklich unisex angeboten.

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Eine Premiere auf der SEEK feierte das HAKA-Brand KnowledgeCotton Apparel. Die Dänen hatten bis zur letzten Ausgabe der Bread&Butter die Treue gehalten. Gewohnt solide ist die immer breiter werdene Auswahl an bürotauglichen bis modischeren Hemden und Strickpullovern. Besonders gefallen hat mir, dass im Vergleich zu diesem Winter wieder mehr Strukturstrick dabei ist und auch insgesamt neben den klassischen Schnitten mehr modische Lässigkeit Einzug erhält. Ach ja, und Phantom ist das neue Schwarz.

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Ebenfalls neu auf der SEEK war das Herrenlabel Solstice aus der Schweiz. Die Kollektion wirkt sehr hochwertig und die Designs sind smart, jedoch ohne bieder zu sein. Viele Materialien stammen aus der Schweiz und auch die Verarbeitung findet dort statt. Ganz dem Ruf schweizer Produkte entsprechend wirken die Hemden und Pullover in Material und Verarbeitung geradezu perfekt und fassen sich auch sehr gut an. Noch nicht alle Garne sind bio, aber Solstice versuchen immer mehr Produkte mit GOTS-zertifizierten Materialien zu realisieren und sind für mich eine der Neuentdeckungen für nachhaltige Männermode.

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Längst etabliert sind hingegen die Schweden von nudie Jeans. Zurecht sind ihre Jeans weltweit beliebt. Viele Fans wissen gar nicht, dass ihre Jeans “organic” sind und ihr Lieblingsbrand eines der aktivsten Fair Wear Foundation Mitglieder. Nach “100 % Organic” bei den Jeans, sind inzwischen auch fast alle Oberteile aus ökologischen Fasern hergestellt. Erstmals gibt es im Winter 2016 Strickpullover aus recycelter Wolle. Auch bei Hemden und Shirts hat nudie nochmal zugelegt. Bei den Hosen bin ich sehr gespannt, wohin die Reise 2016 wirklich geht. Nudie hat nun auf jeden Fall auch Superflared und Cropped Ultrabaggy im Angebot.

SEEK-Debütanten waren wiederum Aizome1 Envirodenim, ein im wahrsten Sinne globales Jeanslabel. Die Macher_innen sind auf mehreren Kontinenten zuhause und selten lange an einem Ort. Produziert wird komplett in Japan. Es geht um Qualität und Perfektion. Um das besondere Design, weitweg von kurzlebigen Trends. Die gesamte Kollektion ist mit natürlichem Indigo gefärbt. Es gibt Jeanshosen, aber vor allem viele Jacken und Blazer. Die Nahtführung ist aufwendig, die Formen jedoch sehr klar. Es ist Higher Fashion, aber eben in Denim. Als die beiden mich fragten, welche Messe ich für sie als passend während der FashionWeek empfinden würde, war ich unsicher, was ich antworten sollte. Die SEEK ist es auf jeden Fall eher nicht, aber ich habe mich dennoch sehr gefreut, sie dort kennenzulernen.

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Wir starten in eine neue Runde und diesmal ist die Liste der Messen um zwei Messen kürzer als zuvor. Die Bread&Butter ist als Händlermesse Geschichte und auf der Show&Order gibt es soweit wir sehen können keine grünen Labels mehr. Bei den letzten FashionWeeks hat vor allem Kuyichi zu einem Besuch auf der Show&Order gelockt. Die niederländischen Organic-Jeans-Pioniere sind jedoch leider insolvent und stellen entsprechend nicht mehr aus.

Gleich eine ganze Reihe von Labels leisten sich dieses Mal einen Doppelauftritt. Knowledge Cotton Apparel, O My Bag, Lanius und Skunkfunk sind allesamt sowohl auf der Ethical Fashion Show/Green Showroom als auch auf der SEEK/Premium vertreten.

Es bleibt eine echte Herausforderung, einen Überblick über die grünen Angebote zu bewahren, denn sie werden auf den konventionellen Messen nicht in den Übersichten gekennzeichnet. Wir haben es wieder versucht, aber sicher auch einiges übersehen. Daher freuen wir uns auch dieses Mal über Ergänzungen per Kommentar!

Wie immer können wir keine Gewähr übernehmen, dass alle gelisteten Marken auch wirklich so grün sind, wie sie selbst oder die Messen es versprechen. Also bitte immer nochmal nachfragen nach sozialen und ökologischen Standards, Zertifizierungen und Multistakeholder-Initiativen.

Allen Berlinreisenden wie immer eine gute Zeit im Messedschungel. Wir sehen uns auf der Innatex Lounge und sicher auch auf den Messen. Bis Berlin!

 

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GREEN SHOWROOM

Abury | Alino Schuerfeld | Allsisters | Altai Cachmere | Ayurganic | Blue Sky Cashmere | Bodio’s of Mongolia | Carpasus | Coccon | Cus | Deepmello | Elementum by Daniela Pais | Gobi Organic by Sarazul CashmereInti Ferreira | Jan `N June | JM Jinst Murun | Johanna Riplinger | Kara Weaves | Kate | Living Blue | Maravillas Bags | Mongol Textile | Myak | Nine To Five | Real Time Collection | Silkbox | Somyso | Studio Elsien Gringhuis | Studio Jux | Suite 13 | Tu & Tu | Uujin | Walkboxx | Werner Schuhe | Xess + Baba | Zora Heinicke

 

PREMIUM EXHIBITIONS
ArmedangelsK.O.I Kings of Indigo | Laidbacklondon | Lanius | Les Racines du Ciel | Noble Project | OGNXO My Bag | Swell | Wunderwerk


SEEK
Aizome1 | Brooks England | Dedicated | Dr. Bronner’s | Ecoalf | ekn Footwear | Kavat | Knowledge Cotton Apparel | Levit 02 | Nudie Jeans | Solstice | Vatter | Veja


PANORAMA BERLIN

Natural World | Think!

 

BRIGHT
Aevor | Stork&Fox

 

UPCYCLING FASHION STORE
Bleed x Upcycling Talents

 

SEMINARS AND PANEL DISCUSSIONS

TUESDAY 19.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW
und GREEN SHOWROOM
9:30 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

10:00 Uhr: Eröffnung durch Ursula Karven (Schauspielerin) und Olaf Schmidt (Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt GmbH). Auf Deutsch.

10:30 Uhr_ Podiumsdiskussion: „Eco-Fashion auf der Fläche: Wie der konventionelle Modehandel Eco-Fashion in seine Sortimente integrieren kann“. Mit Marc Ramelow, (Ramelow – das Mode- und Markenhaus), Karl Mayr (Fussl Modestraße), Dr. Annette Hempel (Modehaus Hempel), Holger Wellner (Modehaus Wellner), Frank Meyer (Fair Fashion Consultant) und Linda Mohrmann (Agentur für Fair Fashion). Moderation: Jana Kern (Kernkommunikation). Auf Deutsch.

14 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

 

WEDNESDAY 20.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM
9:30 Uhr: Vortrag: „Textilbündnis – Erste Ergebnisse und nächste Schritte!“ Ministerialdirigent Dr. Bernhard Felmberg (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Auf Deutsch.

10:30 Uhr: Vortrag: „Fashion in Cycles – ein Paradigmenwechsel“. Prof. Friederike von Wedel-Parlow (Director MA Sustainability in Fashion, Esmod Berlin). Auf Deutsch.

11:30 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

12 Uhr: Vortrag: „GOTS für alle – ob David oder Goliath – vom Faserlieferanten bis zum Einzelhändler. Wer ist wofür verantwortlich, wer hat welchen Nutzen?“ Claudia Kersten (GOTS Marketing Direktorin und Repräsentantin Deutschland, Österreich, Schweiz) und Heike Scheuer (Geschäftsstellenleitung Internationaler Verband Naturtextil). Auf Deutsch.

13:30 Uhr: Vortrag: „Konkret nachhaltig – mit Fairtrade“. Leslie Michel (Projektmanager Textile Standard, Trans Fair e.V.). Auf Deutsch.

15 Uhr: Podiumsdiskussion: „Realisierung von existenzsichernden Löhnen in der Zulieferkette“.
Mit Philipp Langer (LangerChen), Chandra Prakash Jha (Cocccon) und Mariusz Stochaj (Continental Clothing).
Moderation: Mark Starmanns (Get Changed/BSD Consulting). Auf Englisch.

16:30 Uhr: Vorstellung WellMade Book, Das Buch dient als Richtlinie für europäische Bekleidungsprofis, um weiter darüber nachzudenken, wie sich das Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie verbessern lässt. Die Programmerfolge von WellMade und der Weg in die Zukunft. Vera Köppen, deutsche Vertreterin der Fair Wear Foundation. Auf Englisch.

 

 

THURSDAY 21.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM
11 Uhr: Create Green Frühstück. Podiumsdiskussion zum Thema Kreislaufwirtschaft.
Mit Prof. Friederike von Wedel-Parlow (Esmod Berlin), Brett Mathews (MCL Global, Magazin Circular Economy), Steffen Riese (Pyua), Javier Goyeneche (Ecoalf) und Benjamin Marias (AIR). Moderation: Cira Riedel und Anna Rodewald (Greenroomvoice). Auf Englisch.

13 Uhr: Vortrag: „Zirkularität. Welthauptstadt des Wollrecycling Prato“. Lucy Norris (University College London) und Arianna Nicoletti (Aluc). Auf Englisch.

14:30 Uhr: Präsentation „Sweatshop – deadly fashion. Frida aus der norwegischen Web-Dokumentation berichtet über Ihre Erfahrungen als Fabrikarbeiterin in der Bekleidungsindustrie Kambodschas“. Frida Ottesen, TV-Show „Sweatshop“. Auf Englisch.

 

 

FASHION SHOWS

TUESDAY 19.01.2016
GREEN SHOWROOM
15 Uhr: Salonshow mit Outfits von Altai Cashmere, Austriandesign.at, Ayurganic, Blue Sky Cashmere, Bodios Yak & Cashmere, Carpasus, Elementum by Daniela Pais, Esmod Berlin, Gobi Organic by Sarazul Cashmere, Inti Ferreira, JM Jinst Murun, Kate, Lanius, Mongol Textile, Somyso, Studio Elsien Gringhuis, Studio Jux, Uujin, WalkBoxx/SilkBoxx, Xess + Baba, Zora Heinicke. Nur auf Einladung!
17 UhrEthical Fashion on Stage mit Outfits von Daily’s Nothings Better, De´qua, Diamond Army, Early Fish, Feuervogl, Format, Get Lazy, Göttin des Glücks, Inheels, L´Herbe Rouge, Mud Jeans, Myomy Do Goods, Myssyfarmi , Päälä, Reet Aus, Rewrap, Tranquillo, Tuschimo, Vintage for a Cause, Zuckerkrawatte. Nur auf Einladung!

ETHICAL FASHION SHOW
1
7 Uhr: Ethical Fashion on Stage mit Outfits von Daily’s Nothings Better, De´qua, Diamond Army, Early Fish, Feuervogl, Format, Get Lazy, Göttin des Glücks, Inheels, L´Herbe Rouge, Mud Jeans, Myomy Do Goods, Myssyfarmi , Päälä, Reet Aus, Rewrap, Tranquillo, Tuschimo, Vintage for a Cause, Zuckerkrawatte. Nur auf Einladung!

THURSDAY 21.01.2016
LAVERA SHOWFLOOR
15.00 Uhr: Roshi Porkar und meshit
17.00 Uhr: seenbefore.de
19.00 Uhr: LUXAA und Vergabe “lavera Green Fashion Award”

 

PARTIES

TUESDAY 19.01.2016
18:00: Bleed x Upcycling Talents Showroom Opening Party
(im Upcycling Fashion Store, Anklamer Straße 17, 10115)
19:00: Innatex Lounge (Nur auf Einladung)

 

 

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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frauen und kleider

Endlich: Winter ist Lesezeit. Das wunderschön gestaltete Buch Frauen und Kleider – Was wir tragen, was wir sind ist eine Liebeserklärung an die Mode. Fernab von der Glorifizierung der Fast Fashion zeigen die Autorinnen Leanne Shapton, Sheila Heti und Heidi Julavits, warum Frauen anziehen, was sie anziehen.  Leanne Shapton sagt über die Motivation, dieses Anti-Fashion-Buch zu schreiben:

In Magazinen geht es meist darum, dass vermeintliche Makel korrigiert oder kaschiert werden müssen. Wir sollen unsere Hintern hassen oder unsere Oberarme. Das ist bescheuert. Unsere Vision von Mode ist stolz, lustig, selbstkritisch und politisch.

Dazu haben sie einen Fragebogen entwickelt und ihn über 500 Frauen aus aller Welt vorgelegt. Dabei geht es um Fragen wie “Wenn du alle Kleidungsstücke bis auf eines weggeben müsstest, welches würdest du behalten?”, “Gibt es Teile, die du mehrfach besitzt?” oder “Wie und wann kaufst du dir neue Kleider?” – spannende Fragen, die zur Reflexion über das eigene Konsumverhalten anregen. Bewegende Interviews mit Textilarbeiterinnen in Kambodscha machen deutlich, welchen Einfluss unsere Art, mit Kleidung umzugehen, auf das Leben der Frauen in den Produktionsländern hat. Das alles kommt jedoch ohne erhobenen Zeigefinger daher – was es aber noch eindringlicher macht. So werden die Frauen gefragt, was sie selbst tragen.

Ich weiß nicht, was auf meinem Shirt steht, weil ich nicht lesen kann.

Wir müssen uns der Hitze in der Fabrik anpassen. Diesen Pullover kann ich nur tragen, weil ich heute frei habe.

Die Autorin Sheila Heti spricht mit der Menschenrechtsjournalistin Mac McClelland, die unter anderem über die Arbeitsbedingungen bei Abercrombie recherchierte. Sie erzählt:

Sie machen “Echtzeit-Updating”, die Software sagt ihnen: Wir haben so und soviele Bestellungen zu erledigen, und bestellen die Arbeiter Tag für Tag ein.

Die Kapitel, die sich mit fairen Produktionsbedinungen befassen, machen zwar nur einen kleinen Teil des Buches aus und blenden auch die ökologischen Aspekte aus. Dennoch ist “Frauen und Kleider” lesenswert, weil es zeigt, wie Frauen mit Mode ihr Selbstbewusstsein ausdrücken und wie sie lernten, sich in ihrem Körper wohlzufühlen (wohl einer der Gründe, warum es zu den Buchempfehlungen von Edition F gehört). “Frauen und Kleider” ist eine soziologische Studie, über die die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Das Klügste und Überraschendste, was es derzeit über Mode zu lesen gibt.

Daraus folgt: Lieblingskuschelklamotten angezogen, ab aufs Sofa und loslesen!

 

     
 Sara Westerhaus   Sara Westerhaus ist Onlineredakteurin und freie Autorin für verschiedene Magazine und Blogs. Schon seit 2007 bloggt sie zudem in ihrem eigenen Blog In Bewegung über Nachhaltigkeit, Vegetarismus und Laufsport.

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Wenn es etwas Interessantes zu Fasern gibt, werde ich dazu schreiben, habe ich gesagt. Und Mikroplastik ist neben Recycling-Fasern sicher das Forschungsthema, wo momentan die Dynamik am größten ist.

Wo steckt überall Mikroplastik drin? Je mehr man sucht, desto mehr findet sich. Außer den bekannten Microbeads in Peelingscremes etc enthalten Kosmetika (z.B,. Shampoos, Make-Up, Sonnencreme) offenbar noch etliche andere Polymere, die von der Industrie aber nicht als Mikroplastik angesehen werden. Zum Teil handelt es sich wohl um wesentlich kleinere (Nano-)Partikel. Um welche Mengen es geht und wie gefährlich diese Polymere sind, ist weit gehend unklar. Jenseits der Kosmetikindustrie, die ja zumindest ihre Zutaten deklarieren muss, wird die Lage noch unübersichtlicher. Viele Reinigungsmittel und Farben enthalten ebenfalls Mikroplastik, die Industrie hält sich aber mit Informationen zurück. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Es herrscht Einigkeit, dass sich Plastikpartikel in Kosmetika (Microbeads) leicht ersetzen lassen und daher umgehend eliminiert werden sollten. In einigen US-Bundesstaaten (etwa Kalifornien) gilt sogar bereits ein Verbot. Auf Druck von Organisationen wie Plastic Soup und BUND haben etliche Hersteller die Absicht verkündet, Microbeads aus ihren Produkten zu entfernen. Einkaufsführer und Apps zu diesem Thema sind der Renner. Das Problem dürfte sich in absehbarer Zeit also erledigt haben. Aber möglicherweise sind die Microbeads ja nur die Spitze des Eisbergs – siehe Shampoos, Make-Up, Sonnencreme, Scheuermilch, Farben…..

Und wie war das jetzt mit dem Abrieb von Fasern?

Was die Fasern angeht, könnten die Emissionsmengen wesentlich größer sein als bislang angenommen. Bei der Studie mit den berühmten 1900 Fasern pro Waschgang wurde nur mit klarem Wasser gewaschen, doch bei Zusatz von Waschmitteln lösen sich anscheinend mehr Fasern. Die Plastic Soup Foundation, die sich bislang erfolgreich auf Mikroplastik in Kosmetik konzentriert hat, hat nun auch das Thema Fasern aufgegriffen. Sie haben in Kooperation mit Wissenschaftlern ein Projekt namens Mermaids (www.life-mermaids.eu) ins Leben gerufen, das Lösungswege aufzeigen soll. Woher die ihre horrenden Zahlen haben, ist mir allerdings schleierhaft. Ich würde die jedenfalls niemals für eine Kampagne verwenden. 

Und sorry, jetzt kommt es: Auch Schuhsohlen produzieren Abrieb – eine weitere potenziell bedeutsame Quelle, da wir fast alle auf Gummisohlen rumlaufen.

Und was uns am meisten interessiert….. Lösung bei den Fasern?

Und obwohl hier Daten, Fakten, Info-Style herrscht, gestattet mir jetzt pure Ironie. Wenn man Textilforscher nach einer Lösung fragt, kommen die mit mehr Textilveredelung….. Und um die Krabben dieser Welt, sollte man jetzt sofort anfangen, sich Sorgen zu machen!

Denn in Köln waren Referenten des italienischen Forschungsrats (die mit der Plastic Soup Foundation im Mermaids-Projekt kooperieren). Sie sehen die Lösung in verbesserter Veredelung der Kunstfasern. Gute Ergebnisse zeige etwa die Behandlung mit Chitosan, einer modifizierten Form des Chitins, das aus Krabbenabfällen gewonnen wird (mit denen man aber vermutlich nicht weit kommt…Krabben, lauft!)

Die Abwässer von Waschmaschinen mit Filtern zu reinigen, halten sie für sehr schwierig. Die von ihnen verwendeten Filter setzten sich schnell zu und seien nicht regenerierbar. Sie haben aber von haushaltstauglichen Filtern gehört, die in Kanada erhältlich sind (das müssen die hier sein: http://www.environmentalenhancements.com/). Laut einer Vertreterin des spanischen Instituts LEITAT (die ebenfalls bei Mermaids beteiligt sind) ist das bei den in Europa üblichen Waschmaschinen aber alles viel komplizierter. Und stellt euch vor, sorry Klischee, die ordentliche Hausfrau nimmt den vollen Filter voll mit Mikrofasern aus der Maschine und kippt ihn ins Waschbecken….

Kurz und gut: Bei Kosmetika ist die Lage einfacher als bei Textilien – da kann man einfach tabula rasa machen. Spannend, wie die Entwicklung der Forschung weiter geht. Ich werde trotzdem mal ein paar Gespräche mit großen Waschmaschinen-Herstellern führen.

An dieser Stelle erstmals fröhliche Weihnachten euch allen und ein gutes Neues Jahr!

 

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Jellyfish

Was mich umtreibt? Der Verdauungstrakt von Fischen, der mit Mikroplastik gefüllt ist, darunter viele Fasern. Lecker, oder? Studien zeigen, dass Mikroplastik von vielen Meeresbewohnern in erheblichen Mengen gefressen wird, weil sie es mit Plankton verwechseln. Wie größere Plastikteile den Magen von Seevögeln oder Meeresschildkröten verstopfen, so blockiert Mikroplastik den Verdauungstrakt kleinerer Meerestiere. Mikroplastik – da ist die Wissenschaft einig – bedroht die Nahrungsketten der Ozeane essentiell. Mikroplastik sind Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Es kann sich sowohl um Bruchstücke größerer Plastikteile wie Flaschen oder Tüten handeln, als auch um Partikel, die gezielt hergestellt wurden, zum Beispiel als Bestandteil von Peeling-Cremes. Die Menge von Mikroplastik im Ozean nimmt ständig zu.

Mikroplastik – das ist ein Problem mit potentiell apokalyptischen Ausmaßen. Es ist Zeit, Alarm zu schlagen, denn Mikroplastik ist nicht rückholbar. Die Bedrohung der Meere ist in etwa so groß wie damals die Umweltbedrohung durch Pestizide, die Rachel Carson 1962 in ihrem Buch “Der stumme Frühling” beschrieb. Mikroplastik ist der “stumme Frühling” unter Wasser.  Schätzungen zufolge landen sechs bis zehn Prozent des weltweit hergestellten Kunststoffs in den Ozeanen. Das sind jährlich bis zu 30 Millionen Tonnen. Und aus Makroplastik wird Mikroplastik.

Warum das bei einer Textilexpertin für Albträume sorgt? Weil meine Kollegen aus dem Meeresbereich bei Greenpeace gefragt haben, wie ich den Mikroplastik-Eintrag durch Kunstfasern beurteile und ich zu recherchieren begonnen habe. Erstes Ergebnis: Grundsätzlich gelangen bei jedem Waschgang Fasern ins Abwasser. Das gilt auch für Textilien aus Naturfasern, die jedoch im Gegensatz zu Kunstfasern biologisch abbaubar sind. Nach Angaben des Umweltbundesamtes tragen synthetische Textilien in Deutschland mit bis zu 400 Tonnen jährlich zur Verschmutzung der Umwelt mit Mikroplastik bei. Das ist um Größenordnungen weniger als etwa die Zersetzung größerer Plastikabfälle, entspricht aber der Partikelbelastung durch Kosmetikprodukte (kleine Plastikkügelchen etwa in Peelingcremes).  Die Freisetzung von Synthetikfasern beim Waschen ist also von der Menge her vernachlässigbar, aber was einmal da ist, bleibt und ist durch diese Langlebigkeit eben doch ein Problem und schlägt bei Kunstfasern negativ zu Buche.

Interessant ist, dass nicht alle Kleidungsstücke gleich viel Fasern in der Waschmaschine verlieren. Besonders problematisch ist das Sammelgrab Fleece (viele Fasern), die bei Versuchen doppelt so viel Fasern freisetzten wie Hemden aus Polyester. Ein Fleece-Pullover kann bei einer einzigen Wäsche bis zu 1900 Fasern ins Abwasser abgeben. In Nordamerika sind bereits Filter auf dem Markt, mit denen sich Waschmaschinen nachrüsten lassen. Noch zeigen die großen Waschmaschinen-Hersteller allerdings wenig Interesse an einer solchen Technik. Und ob sich die Kunstfasern generell anders produzieren lassen, so dass es nicht zu Abrieb kommt, dazu habe ich keine Informationen gefunden bislang. Ich weiß also noch nicht, ob Kunstfaser-Textilhersteller etwas verändern können.

Soll man Kunstfasern also lieber meiden? Kunstfasern verbrauchen in der Herstellung weniger Wasser als Baumwolle. Zudem lassen sie sich stofflich besser recyceln. Auf der Minus-Seite schlagen die verheerenden Umweltauswirkungen bei der Förderung des Rohstoffes Erdöl zu Buche und eben die Faser-Emissionen. Machen wir uns nur klar, dass Kunstfasern fast 60 Prozent der weltweiten Textilproduktion ausmachen. Diese Menge durch Biobaumwolle&Co. zu ersetzen, erscheint momentan schlichtweg unmöglich. Für Sportsachen jedenfalls steige ich jetzt auf Engel Sports um und ihre GOTS zertifizierte Kollektion aus Merinowolle und Seide.

Was bleibt uns sonst? Auf unnötiges Waschen von Textilien zu verzichten, zählt sicher dazu. Und eben generell weniger Kleidung zu kaufen und die Teile länger zu tragen. Ende November gibt es DIE Mikroplastik-Konferenz in Köln. Die Forschung setzt eigentlich jetzt erst richtig ein. Mir ist einfach angesichts der Dimensionen des Problems erstmal die Spucke weggeblieben. Und an dem Faser-Thema bleibe ich dran. Wenn es in Köln was interessantes Neues gibt, werde ich hier darüber schreiben.

Aus Taiwan vom Jahrestreffen der Greenpeace-Detox-Kampagne, grüßt euch Kirsten!

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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